Donnerstag, 16. Dezember 2010

Sightzeichen

Eine abwechselungsreiche, anregende Schau farbenfroh figurativer Kunst gibt es in der Galerie Klose zu sehen. 24 Künstler der Galerie stellen jeder mit 2 bis 6 Arbeiten aus, die Malerei überwiegt deutlich vor der Skulptur. Bilder des Menschen von heute prägen das Thema der fast 70 Exponate unter dem Titel "Sightzeichen".

Das mit 21.600 Euro teuerste Objekt stammt von Carole Feuerman. "General's daughter" oder besser gesagt ihre Büste mit Bikinioberteil und Bademütze schaut auf den Betrachter hinab. Lebensecht fast sieht sie aus die farbige Schwimmerin mit langen Wimpern und Plastiktropfen auf der wächsernen Haut, eine plastische Geste voller Lebensfreude und Energie.
Wegen großer Nachfrage aus Korea und den USA sind auch die Arbeiten von Kwangsung Park und Ramon Lombarte im Preis gestiegen. "Haben und Sein", so tituliert der Koreaner fast all seine delikat in schwarz-weiß gemalten Bilder, auf denen Landschaften und verwischte Gesichter aus monochrom schwarzen Flächen auftauchen, zart wie Nebel im Morgenlicht. 15.0000 Euro kostet mittlerweile die 40/81 cm große "Summer Siesta" in Öl auf Holz des Spaniers Lombarte, in dessen schattigen Räumen Licht über weibliche Körper und fließende Stoffe streift.
Fast ebenso edel, aber preiswerter und weniger heiß aufgeladen geben sich die neuen Stillleben von Peter Handel. Auch seine jungen Damen verführen mit Erotik und nackter Haut, doch sind die Farben kühler, die Interieurs klarer, die Accessoires künstlicher. Pinsel, Palette, ein Fläschchen mit Pigmenten fügt er seinen Personen bei, transparente Hüllen aus Samt und Seide werden durch Lack und Leder ersetzt.
Sarkastisch bis ironisch geht es in anderen Arbeiten zu. Der Chinese Dehui Lu parodiert einen Turbokapitalismus, in dem die Welt ächzt und aus den Fugen kracht und Euronoten im Affenkäfig sicher aufgehoben sind. Stefan Geisler lässt durch expressive Farbzeichen Kuhköpfe sprechen, "Gudrun", "Olaf", "Bruno" und Jörg Schirmer den "Schnösel", ein Banker in Birkenholz farbig gefasst. Subtilen Humor lässt Michael Schwarze in kleinen Bronzen bisweilen bissig aufblitzen: Im "Po-Ei" erblickt ein Gesäß das Licht der Welt, der "Kontaktsucher" eine anthropomorphe Gestalt aus Kopf und Ohr, lauscht händeringend in sich selbst hinein. Zwischen 500 und 4.500 Euro ungefähr liegen diese Arbeiten und damit im durchschnittlichen Preisniveau der Ausstellung.

Vieles sonst gibt es zu sehen. In differenzierter Acryl-Malerei auf schneeweißen Dibondplatten die eilenden, fotografierenden, verweilenden Touristen von Kirsten van den Bogaard, Rotlicht- und Straßenszenen mit Leerstellen von Ellen Dederichs oder Jub Mönster und die expressiven Farbportraits von Titus Lerner und Anton Petz, in denen Köpfe aus Farbschlieren empor wachsen ähnlich wie bei Max Uhlig aus grafischen
Zeichen.

Bis 5.2.2011, Galerie Klose, Zweigertstraße 3-7, mo-fr 10-18.30, sa 10-15 Uhr

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