Donnerstag, 10. Februar 2011

Farbfrische Sensenmänner, nichts bleibt...

Für zart besaitete Gemüter oder Freunde dekorativer Ästhetik ist diese Ausstellung nichts.

In der unteren Etage: großformatige Bilder, figurativ vermalt, von irritierender, bisweilen unheimlicher inhaltlicher und farbiger Wirkung. In den oberen Räumen: Sculls und Skelette, fast fotorealistisch vermalt, Knochenmänner und ­Damen in braun-grauen Unfarben, manche von ihnen riechen farbfrisch. So sehr sie sich  ähneln auf den ersten Blick, weisen sie auf den zweiten doch Unterschiede auf. Die Kleidung, das Format, der Knochenbau, manche sehen sehr düster, andere etwas freundlicher aus. Brokatstoffe, Bordüren, Spitzen, charakterisierende Attribute zieren sie, manche sind an Kordeln aufgehängt, andere im klassischen kunstgeschichtlich tradierten Portrait stehend oder sitzend erfasst, wieder andere als Zeichnung postkartengroß. Im Format sich wiederholend hängen sie da, ein bisschen wie in einer anonymen Ahnengalerie. 
Wirklich delikat ist die altmeisterlich anmutende Malerei. Haarscharf und monochrom wird jedes Detail erfasst und erzwingt dabei eine unmittelbare Konfrontation. Nah und näher tastet sich der Betrachter an die morbiden Sensenmänner heran, verliert die Scheu, vielleicht auch die Aversion gegen das so sperrige, ungeliebte Thema. Um zu entdecken vielleicht, dass es so schlimm nicht ist?
Eigentlich wollte sie Kriminalpathologin werden, Knochenstücke zusammensetzen, Tathergangs- und Täterprofile erstellen, um den abwegigen Seiten der menschlichen Natur auf die Schliche zu kommen. Heute ist Terry Taylor (geb. 1958) Künstlerin, die der Galerist Frank Schlag vor fast drei Jahren im australischen Melbourne entdeckte, und die auf eine beeindruckende Karriere blicken kann.
"Aus der Kopfstruktur eines lebenden Menschen ertaste ich die Knochenstruktur" sagt sie und aus der rekonstruiert sie Bilder vergangenen Lebens. Und so kommt es, dass jedes Motiv individuell und anders ist, dass bei aller Ähnlichkeit sich keines wiederholt. Sie entwirft fiktive oder rekonstruierte Rollenportraits, um die Aura, die spezifische Atmosphäre einer Person einzufangen, in dem, was von ihr bleibt; oder zumindest bleiben könnte. 
 
Auch bei Johannes Vetters Bildern geht es nicht ganz mit rechten Dingen zu. Profane Realitäten gerinnen in Unwirklichkeit. Ein gemalter Mann steht vor einem gemalten Bild, greift nach dem Inhalt, "Nichts bleibt", so der Titel des Bildes und des Künstlers Schau. Ein anderes zeigt die schwarze Fläche eines gold gerahmten Bildes, darauf ein unheimliches Licht. "Flash", der Titel, gibt Auskunft über den Inhalt und die Vorgehensweise des Karlsruher Künstlers. Fotografien, manche mit Selbstauslöser erstellt, halten alltägliche, jedoch skurrile Ausschnitte fest, die Johannes Vetter (geb. 1979) mit Licht-, Schatten-, Materialeffekten vergrößert, isoliert, verfremdet und in der Bedeutung überhöht, bis die Motive ihren ursprünglichen Inhalt verlieren. Kopflose Männerfiguren, über dem Boden baumelnde Hosenbeine, eine schwarze Katze mit Ketten geschmückt erscheinen als ironische Kommentare einer Welt, die mit ihrer Unmenge an schwer verdaulichen Informationen und Klischees Geheimnisse birgt. Oberflächen, Klischees und kunstgeschichtliche Ikone deckt der Künstler auf, lässt sie nicht ohne Augenzwinkern als Mysterium auf meist großformatigen Gemälden stehen.  

Bis 5.3. 2011 in der Galerie Schlag, di-fr 14-19, sa 11-16 Uhr, Meisenburgstraße 173

Kommentare:

  1. Hätte viele Dinge begriffen, hätte man sie mir nicht erklärt.

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  2. Die Galerie verlängert die Ausstellungen von Johannes Vetter und Terry Taylor bis zum 16. März 2011.

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