Donnerstag, 10. Februar 2011

Glamour Girls und Kunstgeschichte

 
Mit Matthias Köster hat Colmar Schulte-Goltz einen neuen Künstler in die Galerie geholt, keinen New-Comer, sondern einen, der punktgenau das hauseigene Profil trifft. Mit glatten Oberflächen, brillianten Farben und frivolen Themen, fein mit medienkritischen oder kunstgeschichtlichen Exkursen gespickt, bieten Kösters Bilder einen opulenten Augenschmaus: eine sinnliche, bisweilen barock aufscheinende Ästhetik in zeitgenössischem Gewand mit pop-artigen Zügen und leichtem Touch zum Morbiden, jedoch ohne den Glauben an Gott. 
Was zählt, ist die Lust an der Farbe. Der Glanz glamouröser Details, von Leder, hochwertigem Stoff und Edelstein, dazu die Verführung durch erotisch aufgeladene Motive der Medienwelt in einer Technik, die ebenso einladend wie distanzierend ist: weil das vordergründig gefällige Thema nicht das eigentlich gemeinte ist. Kein Wunder also, dass neben internationalen Museen auch die Werbewelt diese Bilder schätzt, allen voran Stefano Gabbana.
Mit 2.50 mal 3.70 m Höhe ist das "Atelier" das größte Ölbild auf Aluminium,was es bislang in dieser Region gab. Denn die malerischen und skulpturalen Experimente eines Roy Lichtenstein geschehen weit weg und haben bisher wenig Nachahmer gefunden. Zu teuer, zu riskant ist dieses Material als Trägergrund, hinterlässt doch jeder falsch gesetzte Strich untilgbare Spuren. Doch das ist Kösters Problem nicht. Ausgangspunkt von "dresden atelier" war eine Zeichnung Kirchners, die er zu seinem Bedauern nicht erwerben konnte. Und so blinken hinter den punkigen Vamps von heute autobiografische Anspielungen des Künstlers auf Frenzi, Kirchners Muse und Model, und die 20er-Jahre auf.
Die sichere Handhabung einer alla prima Malerei mit der Brillianz hauchdünn aufgetragener Ölfarben auf Aluminium ist zweifellos die Stärke des Braunschweiger Künstlers, der bei Graubner und Lüpertz studierte, früh schon in New York lebte und dort mit dem DAAD-Preis ausgezeichnet wurde. Professionell nutzt er die Haptik samtiger, transparenter oder glitzernder Materialien, setzt schimmernde Highlights, gestische Farbzeichen, fein fließende, dekorative  Linien. Und dann die Motive! Blond, blauäugig, anonym oder als Stars kommen die Damen leicht und leger bekleidet einher, verführen, locken und geizen niemals mit ihren weiblichen Reizen. Marylin,Monroe, Madonna, Michael Jackson, Grace Kelly oder unbekannte "tatoo girls" treten auf, putzen in Dessous, schlummern in seidigem Negligee, tanzen in Strapsen um einen Heinrich Heine gewidmeten Schrein oder das Grab von Claude Debussy. Überlässt man sich einer solchen Zeitreise, entdeckt man viel in
diesen skurril bis surreal akribisch verwebten historischen Räumen.

Ein Katalog ist erschienen und in den oberen Räumen werden Künstler der Galerie in wechselnder Besetzung und neuen Arbeiten ausgestellt.

Bis 12.03., kunst-raum, Essen, Rüttenscheider-Str. 56, di-fr 12-19, sa 10-16 Uhr 

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