Dienstag, 22. Februar 2011

Here and Now

Eine leichtgängige Ausstellung ist es nicht, eine, wo der Kunde frisch von der Wand Bilder kaufen kann. Zwei kleine Zeichnungen hängen dort und eine Fotografie, eine, die Raumwahrnehmung irritiert und damit das Thema der Schau vorgibt. Eine junge Frau steht auf einem schwebenden Grashügel, hält eine Grasnarbe davon in der Hand, unter ihr ein Schwindel erregender Raum. Undefiniert, so wie man sich das Nichts vorstellt, unendlich, dunkel und ohne irgendetwas. 
Drei audiovisuelle Installationen ordnet Julia Willms in der Galerie an, die den Raum und die Sehgewohnheit des Betrachters multidimensional und neu organisieren. Wie konstruiert man den öffentlichen und privaten Raum, wie belebt man ihn oder wird ein Teil davon? Was ist dieses eigentlich unfassbar Nichts, das man mit jeder perspektivischen Verschiebung so oder auch anders sehen kann? Um diese Fragen kreisen die Ausstellung und das Werk der 1974 in Wilhelmshaven geborenen Medien- und Performancekünstlerin, die heute in Wien und Amsterdam lebt.
In Video Nr.1 agiert eine Frau von heute, die C.D. Friedrichs Bild "Frau am Fenster" in seinen raumerweiternden Möglichkeiten spielerisch durchdekliniert. Sie verändert den romantischen Raum von gestern, hängt gemalte  Bildausschnitte ab, auf und um, sitzt als Bildbetrachterin im Raum des per Video animierten Bildes, stellt ihn nach, organisiert ihn, öffnet ihn in die Ferne, bis Vögel vorbei und scheinbar durch den Galerieraum schwirren.
Videoinstallation 2 zeigt einen privaten Innenraum mit einen am Nachthimmel vorbei ziehenden Planeten. Wie im Märchen bewegen sich die Räume, durchdringen und verschränken sich, so dass sichere Perspektiven, das Erleben von Innen und Außen, Nähe und Ferne distanziert, analytisch wie die Logik eines Schachspiels erfahren werden können. 
Im dritten Ausstellungssegment nimmt der Besucher zu sphärischem Klang innere Farbräume wahr. Erfährt sich selbst im fiktiven individuellen Raum, meditativ, entgrenzt, so er sich auf eine solche Erfahrung einlassen mag. Was also ist diese Welt, in der wir uns bewegen? Ein Konstrukt? Eine Fiktion? 

Bis 19.3., GAM Obrist Gingold Galerie, Kahrstr. 59, di-fr 12-18, sa 10-16 Uhr

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