Donnerstag, 3. Februar 2011

Staunen und Stille

Entweder geben Besucher lautstark Erstaunen preis oder sie werden ganz still. Manchmal geschieht beides. Denn kaum jemanden lassen Armin Turks Arbeiten unberührt, und das, obwohl sie außer einer pulsierenden, fast monochromen Farbfläche nichts Gegenständliches abbilden. 
An den Rändern klarer verschwimmen helle, gelbliche und blaugrün fließende Farben unmerklich zu einem Zentrum hin. Pigmentnebel sind es, pulverisiert sehen sie aus. Ohne individuellen Duktus gesetzt, verdichten oder lösen sie sich auf und entfalten ihre Energie nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im Raum, besonders wenn sie wie in der Galerie Schütte in kühles, taghelles Licht getaucht sind. Fehlt es, nimmt sich die Wirkung der Bilder anders aus. Die zarten Farbnebel glühen auf, trüben ein oder verglimmen bei Dunkelheit.
Was diese hauchdünn übereinander liegenden Flächen aufscheinen lassen, ist Licht, Licht auf ebener Leinwand durch Farbe gebannt. Manch ein Besucher meint, es gehe "die Sonne auf." Doch mehr noch als das, ist es die immaterielle Erfahrung von Licht, die berührt. Als könne man eintauchen in eine Sphäre, die einen freundlich umfängt und in andere Regionen trägt. Eine erhebende Erfahrung von Zuversicht und Trost ist vor diesen Bildern möglich, so wie es Religion oder das Erleben von Natur vermitteln können. 
C.D. Friedrich war einer der ersten, der den sehnsuchtsvollen Blick des Wanderers über ein Nebelmeer hinaus in eine religiös metaphorische, tief romantische Ideallandschaft beschwor. Konequent ist, Künstler 200 Jahre danach das Bild entleert, den Inhalt neutralisiert und das Geschehen auf die Fläche und in den Kopf des Betrachters verlegt. Das Erhabene wird bei Turk wird hier subjektiv und wahrnehmungstheoretisch fundiert. Was auf jeden Fall bleibt, ist der Wunsch nach Entgrenzung, der Blick nach innen oder die tendenzielle Auflösung des Subjekts.
Klar also ist, dass die Bilder des Velberter Künstlers schwer zu beschreiben sind. So wie die Farben: Perlmuttgelb oder sollte man sagen hellviolettbraun, Farben, die mit dicken Pinseln aus hellwässrigen Töpfen und Tiegeln schnell, scheinbar spontan und transparent lasierend auf Segeltuch gewischt Höhen, Tiefen, Volumina suggerieren, die mit jeder Bewegung vor dem Bild anders wahrnehmbar sind? Die Weite, Tiefe, Fläche andeuten, wo einfach nur Öl und Eitempera gemischt auf dem Bildkörper stehen? Dem Lärm, der Reizüberflutung heute, soviel ist klar, setzt Armin Turk Stille und Konzentration entgegen, die nachhaltig und hoffentlich nicht
von gestern sind.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, zur Finissage wird der Künstler anwesend sein.

Bis 5.3. Galerie Schütte, Essen-Kettwig, Hauptstraße 4 di-fr 14.30-19.00, sa 11-17.00

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen