Donnerstag, 31. März 2011

Fernher – die Öffnung in den anderen Raum


Ein fruchtbarer Moment in der Bildenden Kunst ist gemeinhin der, “der das Vorher und Nachher eines bildlichen Geschehens“ einfängt, und  schon Lessing philosophierte darüber, wie dies im “räumlichen Nacheinander von Figuren und Farben“ gelingen kann. Mehr als einen zufälligen Augenblick aus dem Fluss der Zeit versinnbildlicht ein solcher Moment, nämlich die  Vorstellung zielgerichteter, Sinn stiftender Aktion.

“Fernher“ – die Öffnung in einen anderen Raum“ heißt die Ausstellung von Carsten Klein in der Galerie K29 von Ricarda Fox. Gezeigt werden See-, Wolken-, Gebirgs-, Meer- und Landschaftsstücke, abstrahierte Fotografien mit einer idealtypischen Vorstellung von Natur. In jeder ruht  Weite, in jeder wohnt Sinn, jedes  Bild verdeutlicht Stille und Ewigkeit. Eingefangen wird genau jener transitorische Moment, in dem Tag und Nacht, Vergangenheit und Zukunft, Raum und Zeit sich begegnen, sich in Ruhe gegenüberstehen. Ein Moment, in dem der letzte Schimmer des Tages im Schwarz der Nacht versinkt oder ein Sonnenstrahl eine Formation vorbeiziehender Wolken durchbricht.

Gezeigt wird eine meditative, pathetische Auffassung von Natur, die an klassisch romantische Bildkonventionen und an die Kategorie des Erhabenen und Sublimen eines Rothko oder Newman anknüpft.
Keine spiegelnde Reflexion auf der mattierten Bildoberfläche der Fotografie trübt den Blick, keine intensiv bunte Farbe stimuliert Gefühl, nicht ein Detail enthält Überfluss. Alles konzentriert sich auf den Prozess des Sehens, des Wahrnehmens dessen, was die Kamera zeigt: Formationen von Wolken, Strukturen von Schnee, Lichtkaskaden und dunkle Landschaften in unbunten Braun- und Grautönen, deren Details verschwimmen in Unwirklichkeit.
Aufgenommen sind die Landschaften unterwegs, in St.Peter Ording, Bayern, der algerischen Sahara, mit einer Großbildkamera und langer, fast malerischer Belichtungszeit.

Bis 31.03. 2011, K29, Ricarda Fox, Kreuzeskirchstraße 29, di-fr 15-19 Uhr u.n.V. 

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