Donnerstag, 31. März 2011

“Picture Gallery“ oder die Bedeutung der Bilder


Mit einem intelligenten Debut präsentiert Frederic Spreckelmeyer, 26 Jahre alt und künstlerisch schon etabliert, seine erste Einzelausstellung im kunst-raum Schulte-Goltz+Noelte. Illusionistisch ist die Malweise, fein, lasierend, opulent und dennoch immer kontrolliert, Stofflichkeit und Strukturen minutiös betonend. Brilliante Farben beleuchten das Spiel, ein Puzzle im Umgang mit der Kunstgeschichte. Das Thema? Ikonografische Konventionen werden leergemalt und einer ironisch kritischen Neukonstruktion unterzogen.

Déjà-vu Erlebnisse stellen sich ein und begleiten den Besucher mit jedem Bild: ein gestürzter Transformer, fliegende Häuser, drum herum in ovalem Bildformat schwebende Spielzeugfiguren, Düsenjets, Robots, lichtgetränkte Wolkenformationen. In anderen Bildern vor diffus schwarzem Hintergrund werden gold glänzende Helme in grotesker Formation aufgetürmt. In einem nächsten Werkabschnitt erhält der Betrachter Einblick in eine Portrait- und eine Kriegsgalerie mit gesichtslosen Helden, die nur aus Haltung und Status charakterisierenden Attributen bestehen.  Dazu gibt es zwei Selbstportraits des Künstlers: als feiner Herr in repräsentativer Haltung mit Blick zum Betrachter, posierend neben “Mr. Atomic“, dem Metallmonster. Wenig später in einem kleinformatigeren Bild stellt Fred, der Künstler, sich als Rocker in Rückenansicht dar, auf der Kutte ein Backpiece mit Totenschädel und Staffelei.
“Kurz ist das Leben, lang die Kunst“. Liest man die Bilder, liest man den Diskurs mit der Geschichte der Kunst, in Komposition, Farbe, den Motiven oder der historisierenden  Figurenkonstellation. Bismarck, Lord Nelson, Napoleon, indische und nordkoreanische Kriegsherren tauchen als Hülle, charakterisiert durch ihre Insignien auf, dazu Maler-Koryphäen wie Vermeer, Rembrandt, Velázquez. Goya mit Misanthrop und dem Schrecken der Menschheit wird zitiert, die christliche Ikonografie mit Höllensturz und Himmelfahrt und heiliger Krippe in prekärer Fertigbauweise montiert. Dazu: Repräsentations- und Reiterstandbilder mit Anspielungen auf die tonale Tradition des flämischen, spanischen, italienischen Barock... und noch viel mehr.
Erstaunlich ist, mit welch reichhaltigem kunsthistorischen Fundus der junge Künstler spielt, der in Münster bei Michael van Ofen studiert hat. Die Preise sind zu bekommen zum Einstandskurs - noch!  

Im oberen Teil der Galerie hängen neue Exponate bekannter Künstler: Martin Herlers Blütenbilder, die musikalisches Genres vermalen, Roland Schmitz mit Material verfremdenden Plastiken, u.a. dem Autuobahnkreuz Duisburg-Nord aus Neusilber geformt, Alpay Efe mit “Lovely Girl“ oder Wolfgang Kleber mit einem hinreißenden Portrait von Charlotte, diesmal im Großformat.

Bis 30.4. 2011, Rüttenscheider Str. 56, di-fr 12-19, sa 10-16 Uhr

Im Sheraton findet zeitgleich eine Ausstellung von Martin Herler statt, bis 25.4., Huyssenallee 55

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