Donnerstag, 31. März 2011

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Wieder ist es Gerd Schütte gelungen, mit wenigen Exponaten und treffsicherer Selektion eine konzentrierte, spannende Ausstellung zu präsentieren. Aus vier Serien zusammengestellt ergeben die Exponate einen fruchtbaren Dialog, obwohl sie anfangs den Eindruck vermitteln, als könnten sie kaum aus der Linse einer Kamera kommen. Inszenierte narrative Fotografien aus dem Werk des jungen Essener Künstlers Sebastian Fritzsch werden  gezeigt, denen man ansieht, dass der Klauke-Schüler auch Filmemacher war.

1. Portraits von jungen Menschen in unaufgeräumten Privaträumen, fast lebensgroß. Freunde des Künstlers standen Modell: Eine Studentin vielleicht, einen Architekten, einen Maler vermutet man aufgrund charakterisierender Attribute im Raum: Stapel von Büchern und Papier, Turnschuhe, ein Bett, gerade verlassen vielleicht, Ziegelwerk in der Schafzimmerwand, Farbtöpfe. Intimität wird hier einer irritierenden Objektivierung durch die Kamera unterzogen. Unterschiede zu den Portraitserien von Thomas Ruff können assoziiert werden.

2. Nachtaufnahmen von bürgerlichen Wohngebieten, wie es sie überall in Deutschland gibt:  gepflegt die Gärten, dunkel die Häuser, schwach beleuchtet, kurz bevor die Bewohner den Tag beschließen. Menschen sind nicht zu sehen. Aufgenommen hat Fritzch sie in der Nacht, als mit Hubschraubern, Hunden und Wärmebildkameras die Großfahndung nach Heckhoff und Michalski lief, ausgebrochen aus dem Hochsicherheitstrakt der JVA Aachen. Fritzschs Fotografien davon entstanden in Kettwig und Mülheim.

3. Vorstädtisch provinziell und tödlich trist mutet auch die Tagessicht anderer Städte an. Zwischen Brückenpfeilen und Schnellstraßen hindurch gleitet der Blick auf Betonsilos. Zum Wohnen gedacht, taugen sie heute fürs Survival im täglichen Überlebenskampf. Menschenleere, allenfalls ein Stadtstreicher, der sich verlaufen hat. Duisburger Einblicke sind es, wie es sie in jeder Großstadt gibt.

4. Vorbei an einem fast “abstrakten Bild“, ein Flugzeugabsturz in grober Körnung  als Hommage an Andy Warhols Katastrophenbilder vielleicht, widmet sich der Besucher den Collagen: Hochwertig mit Passepartout fast nostalgisch gerahmt, zeigen sie Vor- und fotografisches Nachbild sowie einen Begriff, der den visuellen Inhalt auf eine allgemeine Bedeutungsebene transportiert. Hier verfolgt der Fotograf eigene Spuren, die der Kindheit, Jugend, Filmgeschichte.

Bis 7.5.2011, Galerie Schütte, Essen Kettwig, Hauptstr. 4, di-fr 14.30-19.30, sa 11-17 Uhr 

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