Samstag, 23. April 2011

Popplanet ­ - eine Ausstellung von Jürgen Paas

Nun also ist es offiziell. GAM Galerie Obrist baut ein zweites Standbein auf und hat sich dafür Zürich ausgesucht. Eine vortreffliche Wahl: komfortabel das Umfeld, kunstinteressiert das Publikum, hochkarätig die Gesellschaft der dort ansässigen Galerien, kurzum eine Entscheidung, die man beglückwünschen darf. Das Programm in Essen bleibt unverändert erhalten, ausgeweitet wird das Segment Kunsthandel. Und mit Sicherheit sind durch erweiterte Netzwerke profilschärfende Effekte auch für die Tätigkeit hier zu erwarten. Man darf gespannt sein! (http://www.orgalerie.com)

Signalwirkung geht fraglos von der frisch eröffneten Ausstellung aus: Jürgen Paas mit "Popplanet", ein Titel, der neue Akzente setzt in der Galerie und im Werk des renommierten Essener Künstlers. Spielerisch erweitert er den Raum und füllt ihn an mit Farbenergie durch eine künstlerische Geste, die ebenso locker und selbstverständlich wie verschlossen erscheint. 
Über 25 Werke sind zu sehen, farbige, geometrische, streng gegliederte, dabei leicht und beweglich anmutende Arbeiten. Es sind Aquarelle, Acryle, Malerei, Skizzenbücher, Bucharbeiten auf Papier, allesamt in verzinktem Stahl gerahmt. Eine hermetische Anmutung strahlen sie aus, obwohl die Intensität der Farbe in Quadraten und konzentrischen Kreisen eine deutlich andere Sprache spricht. Monochrom und dynamisch leuchtet sie in den Skizzenbüchern hinter Glas, mal mit erkennbarem Duktus, mal ohne jede Spur individueller Einwirkung auf klarem, oft weißem oder schwarzem Grund. Flirrende Kontraste oder harmonische Ausgewogenheit stellen sich ein, je nachdem, wie und aus welchem Blickwinkel der Besucher sie betrachtet.

In dem kleinen Projektraum ist die Installation "Popplanet" zu sehen. Quadratische Metalltafeln in verschiedenen Farben, monochrom und hintereinander geschichtet, werden gehalten und gebündelt mit Stahlklammern, die wie industrielle Bauelemente wirken. Einen deutlichen Kontrast stellen sie dar zu den Kreisen in poppigen Farben, direkt auf die Wand der Galerie gebracht. Eine Komposition wie eine Petersburger Hängung, in Reihen geordnet, in spannungsvollem Widerspruch.
Unendliche Vielfalt ergibt sich durch die potentielle Veränderbarkeit der Werke durch ihre Besitzer. Farbspulen, die an Filmmaterial erinnern, sind abspulbar und bilden, einmal in Bewegung, Farblinien im Raum. Ein Effekt, der durch bewussten Eingriff oder Zufall entstehen kann, aber "ebenso berechtigte Resultate zeigt, wie der Farbvorschlag des Künstlers." Jürgen Paas jedenfalls ist einverstanden, wenn ein Käufer die Farbschichten seiner Arbeiten neu ordnet, denn genau darauf spielen sie an. Auf Abwechselungsreichtum, das Sammeln, Ordnen, Verwahren und Präsentieren von Kunst, nicht in einem musealen Raum, sondern in einem Prozess der Begegnung
und Auseinandersetzung.

Im "Sammlerraum" werden Fotografien von Henri Cartier-Bresson gezeigt, in einem anderen Galeriesegment informelle Arbeiten von Bernhard Schultze, dem "Nestor der Nachkriegsmalerei."

Bis 4.6., GAM Galerie Obrist, Kahrstraße 59, di-fr 12-18, sa 10-16 Uhr

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