Dienstag, 24. Mai 2011

Abstrakte und figurative Menschenbilder in der Galerie Schlag

Die klassische "Figura", die menschliche Gestalt steht im Zentrum der Schau, in den abstrakt reduzierten Arbeiten von Hans Steinbrenner (geb. 1928) und den realistisch figurativen des 1959 in Italien geborenen Bruno Walpoth. Unterschiedliche Generationen und künstlerische Auffassungen ergänzen sich in einem Moment inneren Gleichgewichts. Beide Bildhauer formulieren diesen auf ihre je eigene Weise.
So kraftvoll, variationsreich und dynamisch die Wirkung, so klar und einfach sind die Formen, die der 2008 in Frankfurt verstorbene Hans Steinbrenner benutzt. Rechteck und Kreis, die Grundformen eines Cézanne werden eingesetzt, weit entfernt jedoch vom Vorbild in der Natur, eingesetzt, um den Formenreichtum der Kunst unabhängig malerisch und skulptural zu gestalten.
Auf Hartfaserplatten und aus dunklem Grund leuchten Farben in geometrischen Formen und verleihen jedem Exponat eine reliefartige Wirkung, so dass man sie berühren möchte, um sie in den Raum hinein zu verlängern. Die seriell gefertigten Kleinformate verstand der Künstler als "Fingerübung" für die großen Bilder und die Skulpturen aus Bronze und Holz, Materialien, die Steinbrenner makellos schwärzte, um Haptik und Form des Objekts zu konzentrieren. Die stereometrischen Grundformen türmen sich in komplexen Positionen und labilem Gleichgewicht auf, jede einzelne, sei sie biomorph oder kubistisch, mit ihrer inneren Konstruktion und äußeren Anmutung im Gleichgewicht.
In sich versunkenen, in einem melancholischen Moment verharren die androgyn anmutenden Holzskulpturen von Bruno Walpoth. Durch Kleidungsfragmente als zeitgenössisch gekennzeichnet weisen sie allgemein zeitlose Züge auf. Mit eingefrorener Gestik und Mimik, regungslos still stehen die hageren Figuren da, die Arme frontal oder seitlich ausgestreckt, angespannt wie in einem Augenblick innerer Rat- oder Hilflosigkeit. Die individuelle Physiognomie mit sinnlichen Lippen, geschlossenem Mund, abgewandtem oder in die Ferne schweifendem Blick verschließt sich gegenüber jedem direkten Kontakt. Während die unbekleideten Körperstellen glatt geschliffen und hautähnlich sind, dominieren in Haar- und textilen Bereichen gröbere Meißelspuren. Ins Holz eingeriebene Pigmente in entmaterialisiertem Weiß oder zarten Pastellfarben entrückten die Figuren in eine einsame, kontext- und zeitlose Sphäre. Dort sind sie ganz für sich in ihrer erhaben Schönheit und Melancholie.

Bis 17.6., Galerie Schlag, Meisenburgstr. 173, di-fr 14-19, sa 11-16 Uhr

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