Dienstag, 24. Mai 2011

Weibsbilder reloaded

Es ist kaum zu glauben, wie es der Galerie Klose nach gut einem Jahr gelungen ist, die Qualität einer Schau mit einer Fortsetzung und leicht verändertem Konzept zu toppen. Der Blick auf die Welt aus weiblichen Augen wird thematisiert, jedoch nicht im Sinne überholter Gender-Diskussion. Spannend zu beobachten ist, wie die bekannten Künstlerinnen sich weiterentwickelt haben und wie sinnfällig die neu Entdeckten sich integrieren ins Programm der Galerie.
Maike Gräf aus Berlin stellt Kunstherzen und einen Medusenkopf vor, massiv aus Holz und in abstrahierender Farbe gefasst. Denn die braucht es, um "unherzliche Themen", die sonst "ästhetisch kaum darstellbar sind, distanziert zu betrachten", so die attraktive, zierliche Künstlerin, die im Staub ihres Berliner Ateliers mit Kettensäge und Kränen beherzt zu Werke schreitet, um ihre Skulpturen aus Baumstämmen zu schlagen.
Auch Diana Akoto-Yip mit einem kühlen Schaukasten und Sigrid Nienstedt mit intensiv farbigen Stadtbildern sind neu dabei. Fotorealistisch, kühl und sachlich ist der Blick auf die Horizonte der Stadt und lässt dennoch kaum Objektivierungen zu, obwohl allgemein bekannte Wahrzeichen zu erkennen sind. Die in Hamburg lebende Künstlerin schafft es immer wieder, in konkreten Beobachtungen eine allgemeine Aussage über die menschliche Lebensart aufleuchten zu lassen. Mittels intensiv gesteigerter Farben und einer brillianten Malweise.
Ähnlich geht Sala Lieber vor, die Figuren des spanischen Barocks vor pechschwarzem Grund zu sarkastischen Chiffren über die Conditio humana vermalt. Der Hund, ein Opfer des Menschen, die Hasen als Jäger der Täter, ein Äffchen in höfischer Robe, zusammengepresst in der Hand des Besitzers.
Herrschaftsverhältnisse verkehren sich und weiten sich über Generationen hinweg aus. Wunderbar, wie sie antike Utensilien fotorealistisch vermalt und ihnen Luft zum Atmen lässt. Die motivisch konzentrierende Reduktion hat ihrer jungen Kunst sehr gut getan!
In den mystischen Wäldern von Ellen Dederichs suchen Menschen mit verbundenen Augen Spuren ihrer Kindheit und die Sehnsucht der Romantik vergebens. Die psychologisch aufgeladenen Orte wirken wie bedrohliche Kulissen, die ihre umherstreifenden Sinnsucher schlucken. Auch in Joanna Jesses Bildern in Schwarz-Weiß scheint die Vergangenheit gefährlich auf, hier in Form historischer Spuren der Nachkriegszeit.
Spuren der Gegenwart, von Menschen und flüchtigen Momenten fängt Kirsten van den Bongaard ein, auf weiß glänzendem Dibond Grund in Acryl gemalt. In der Haltung staunender Touristen ziehen die Motive ziehen vorbei, unwiderruflich, so wie man sie nur einmal sieht. Es sei denn, man besitzt eines dieser ästhetisch ansprechenden Bilder.
Kommentarlos, sarkastisch, gut hängen Carol Feuerman's Skulpturenausschnitte an der Wand: Männerhände, die begehrlich an Schlüpfern zerren, ohne das verdeckte Gesäß der Begierde fassen zu können. Eine hyperrealistische Auffassung der Skulptur, die jedes Härchen, jedes Fältchen täuschend echt
imitiert, und damit ganz im Kontrast zu einer klassischen Bronzeversion von Christa Bremer steht. Männliches und Weibliches gehen hier eine konfliktfreie Verbindungen ein.

Bis 25.6.2011, Galerie Klose, Zweigertstr. 3-7, mo-fr 10-18.30, sa 10-15 Uhr

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