Donnerstag, 19. Mai 2011

Weiße, weiche Skulpturen

"Amygdala", (die Mandel), heißt die Ausstellung und bezeichnet die beiden mandelgroßen Kerne im menschlichen Gehirn, die für die Filterung von Sinneswahrnehmungen und die Steuerung emotionaler Bedeutungen und Affekte zuständig sind. Um Wahrnehmung, Empfindung und Emotionalität geht es in dieser Ausstellung, die in Kooperation mit der Folkwang Universität der Künste entstanden ist und Objekte von Jana-Lina Berkenbusch zeigt. Jana ist Exzellenzstipendiatin kurz vor ihrem Abschluss im Fach Kommunikationsdesign. Die Professoren Martin tom Dieck und Rolf Lieberknecht begleiten sie.
"Ich renne dich um, um dir zu zeigen, wie sehr ich dich liebe!" Aus dieser Idee entstand eine Skulptur, aufgebaut aus schmalen, biegsamen, weißen kantigen Schaumstoffbalken. Unterschiedlich weich oder fest fühlen sie sich an und bilden, so wie sie scheinbar auf dem Boden auseinandergefallen, einen flexiblen Stapel. Einen, den man neu zusammensetzen kann, in den man sich hineinlegen, den man verwerfen, den man sich anverwandeln kann.
Dieses Objekt mutet hart an, ein anderes umgarnt den Betrachter weich mit tentakelartig wuchernden Armen, auch hier ist jede Form aus Schaumstoff und weiß umhüllt mit Stoff. Legt man sich hinein, legt man es um sich herum, dann gestaltet der Betrachter nicht nur die Skulptur, sondern auch die eigene Befindlichkeit. "Heute so, morgen so, je nachdem, was man entdeckt, wie man sich fühlt" berichtet ein Tänzer, der mit und für die Künstlerin potenzielle Wirkungen erprobt. "Bedrängend, klaustrophobisch, indifferent oder distanziert fühlt sich die Berührung des Objekts an, manchmal wie die Gestaltung einer Kindheitserfahrung."
Das nächste Objekt mutet futuristisch an, so wie es von der Decke hängt, glatt gelackt, schlohweiß. Außen schrundig, innen mit Stoffpyramiden ausgefühlt, überrascht es mit widersprüchlichen taktilen Reizen.
Auf diese Entdeckung durch den Besucher sind die Objekte angewiesen, will man sie nicht nur fragend bestaunen, sondern ihre Wirkung erkunden: von innen und außen, durch Begehen, Ertasten, Erliegen, je nachdem wie man sie sich anverwandeln, welche Erfahrung man zulassen kann. Objekte, die einfordern, was im Museum verboten ist, nämlich die Materialerfahrung und die Konstruktion der Skulptur durch den, der sie im wahren Sinn des Wortes begreift.

Bis 10.6., Ricarda Fox, Kreuzeskirchstraße 29, 45127 Essen, Tel. 0208-3787734, mobil: 0171-8350042, kontakt@k29-essen.de

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