Montag, 13. Juni 2011

Christian Hoffmann ­ Horizonte


Entweder wendet man sich ab oder vergisst sie nie. So unscheinbar diese Bilder auf den ersten Blick sind, so nachhaltig wirken sie, wenn man sich ihnen überlässt. Wenn man vage Stimmungen, Stille, Vieldeutiges aushält und
diffus Dargestelltes nicht definiert, sondern Energie sich entfalten lässt: bis sie im Bild erfahrbar wird, im Licht nur und verschwindet bei Dunkelheit.

Tageszeiten- und ortsabhängig sind die Bilder des Berliner Künstlers Christian Hoffmann und sie funktionieren nicht überall. Manche der Arbeiten habe sie nicht gewollt, bei anderen lange probiert, bis sie schließlich den Platz fand, wo sich die subtile Bildwirkung zeigt, berichtet die Galeristin.

Vordergründig sind undefinierbare Schlamm- und Erdtöne dargestellt, lasierend oder pastos mit pulverisierten Pigmenten vermalt, durchzogen von flüchtigen Farbspuren aus Gelb, Rot, Blau, deren Kombination aus der Entfernung Horizonte aufscheinen lässt, die den Bildgegenstand diffus umreißen. Einen Flusslauf, das Meer, Felsen, Bäume, Gebirgs- und Erdformationen erkennt man, vage, verschwommen im Dunkel des Farbmaterials aufscheinend. Grundlegende ikonografische Motive der Landschaftsmalerei werden aufgerufen, reduziert auf ihre typisierte Erkennbarkeit.

Es sind diese stimmungsreichen Zwischenzonen, die den Künstler interessieren, das Erscheinen von Landschaft im Licht, das Zusammenwirken widerstrebender Elemente, der zerstörenden und ordnenden, Momente von Erhabenheit in der Begegnung von Licht und Dunkelkeit, Raum und Zeit, Fläche und Tiefe im Bild. Ein unfassendes, introspektives Sehen ist hier gefragt, so wie bei den Fotografien von Carsten Klein, der ähnliche Phänomene mit der Kamera zeigt. Beide Künstler vertreten eine meditative Erfahrung von Natur, die an klassische Konventionen, an die der Romantik und die Kategorie des Sublimen anknüpft oder an die amerikanische Farbfeldmalerei. Die totale Abwendung vom Gegenstand oder die abstrakt entmaterialisierte Erfahrung eines Rothko werden hier jedoch inhaltlich gefüllt.

Bis 30.6., Ricarda Fox, Liverpoolstraße 15, 4547 Mülheim, di-fr 15-19, sa
12-16 Uhr

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