Sonntag, 5. Juni 2011

Ivo Lucas ­ my liquid renaissance



Man kennt Ivo Lucas nicht nur aus internationalen Kunstsammlungen, er ist einer der “ältesten³ der vielen jungen Maler im Programm der Galerie. Er ist ein großer Erzähler, der seine Bildgefüge aus unglaublich vielen Schichten akribisch zusammenbaut. Mit einer Technik, die wie hinter Schleiern verborgen, historische Zeiten, Zitate und Ereignisse enthüllt auf eine malerisch unnachahmliche Weise, die er schon zu Studienzeiten in der Düsseldorfer Akademie vor seinen Mitstudenten verborgen hielt. Kopieren jedoch kann sie keiner, denn dafür ist sie zu vielschichtig, zu dicht, zu gekonnt verwebt. Die illusionistischen Perspektiven und utopischen
Illusionen steigert er stufenweise und in immer neuen Ebenen, mit Zitaten der Pop-Art und Malstilen der Klassik und Moderne, um sie zum Schluss allesamt zu demontieren. Die vielen Farb- und Stilebenen dieser Bilder entdeckt auch der versierte Betrachter nur langsam und Schritt für Schritt. Belohnt wird die Entdeckungsreise wird mit subtilem Humor und einer guten
Portion Erkenntnisgewinn. Aus Ölen, Lacken, Pigmenten und Sprayfarben bestehen diese hybriden Gebilde.

Opern-, Atelier-, barocke Schlossszenen werden in dieser Ausstellung wie auf einer Bühne aufgebaut. Humphry Bogart schleppt seine Partnerin durch den Wald, schwarz ebonisierte Möbelstücke aus der Donaumonarchie, der Dandy mit Monokel, ein Affe mit Barett, alchimistische und wissenschaftliche Gerätschaften sind aufgebaut vor einem fiktiven Rollenportrait des Künstlers als manisch malendes Genie, die Zigarette im Mundwinkel vor einer kolossalen Batterie aus Bier- und Weinflaschen. Der Künstler, der sein Ego erfinden soll, übermalt stattdessen Risse und zeigt, was sich schwer vereinbaren lässt. Privates und Öffentliches, die hohe Schule der Kunst, ihre politische Verantwortung in der Gegenwart, der schnelle Wechsel der Stile im ewigen Zugzwang der Tradition. Die “Atelierszene³ spielt auf die Zeit des Künstlers in der Düsseldorfer Kunstakademie an, auf Albert Oehlen und Max Immendorff, dessen Meisterschüler Ivo Lucas ist. Mittlerweile füllt Lucas 2,50 zu 3.00-meter Formate mit Ein-, Aus- und Durchblicken, ohne dass eine einzige Leerstelle entsteht.

Auch wer die Ausstellung kennt, sollte sie mehr als einmal sehen, denn sie entsteht neu mit jedem verkauften Bild. Im oberen Geschoss der Galerie hängen neue Arbeiten von Alpay Efe, der im September seine erste Einzelausstellung zeigt neben denen von Martin Herler oder den
Understatement-Skulpturen von Michael Dekker. Bronzen patiniert der Cragg-Schüler schwarz, so dass sie wie übereinander geschichtete Fundstücke aussehen.



Bis 25.6. 2011, Kunstraum Schulte-Goltz+Nolte, Rüttenscheider Str. 56, di-fr
12-19, sa 10-16 Uhr

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