Samstag, 9. Juli 2011

Animalisch...

so der Ausstellungs-titel, doch was man sieht, ist so laut nicht, sondern zeugt von eher hinter-gründig leisem Humor. Es geht um Mensch und Tier, um menschliche und manchmal allzu menschliche Projektionen und den tierischen Ernst, mit dem die Vierbeiner sie erdulden.

Exoten in der Geschichte der Kunst waren Tiere seit jeher. Exotisch ist aber auch der Mensch, das „Tier auf zwei Beinen“, der sich unter dem Deckmantel abgöttischer Liebe das wehrlose Wesen unterwirft.

Tierbilder gibt es in fast jedem Atelier, besonders beliebt waren sie nie. Populärer wurden sie, seit der Rokoko-Maler Jean-Baptiste Oudry mit dem Nashorn Clara von Marktplatz zu Marktplatz tourte. Tierbilder fanden sich in Jagdzimmern, hoch geschätzt ist die Kunstgattung bis heute nicht. Verweist sie zu sehr auf die Spezies Mensch und dessen rüden Umgang mit der Natur?

Ausgehend von kunst- und historischen Überlegungen greift Ralf Koenemann das Motiv Nashorn auf, im Aus- und Anschnitt fast lebensgroß, vermalt es mit Farbe und Lack, Materialien, deren Mischung schrundige Schichten auf der Leinwand produziert. Günter Sponheuer dagegen verlegt seine Kampfhähne hinter Schichten aus Glas, jede einzeln bemalt, so dass vorn und hinten bearbeitete Flächen ein dreidimensional schillerndes Abbild widerspiegeln, welches ganzheitlich wahrgenommen werden will. Mike MacKeldey, Schüler von Volker Braun, stellt eine Prüfungsabschlussarbeit vor, zu der sie sich eine Nacht in der Düsseldorfer Kunstakademie einschließen ließ, um sich ganz dem Thema Esel zu widmen. In Drehungen, Verzerrungen und vielfach gebrochenen Übermalungen erinnert das verzweifelt sich windende Tier an Picassos Guernica.

Persönlicher geht Stephan Geisler mit seinen Motiven, den Kühen, um. Rapunzel, die Rapskuh, Gitte, Rosi oder Billy Boy heißen sie und schauen unendlich treu und traurig durch den Betrachter hindurch. Monika Witte zeigt Pinscher an langer Leine, denen die Haare zu Berge stehen, während Kirsten van den Bongaard auf weißen Dibond- Platten Passanten bannt, deren Hunde mit Leine einen ganzen Teil des als Dipthychon gefassten Bildes bilden. Jannis Markopoulos zeigt in surrealen Bildern Tiere fast menschengleich. Vom Affen über den Neanderthaler zum Bodybuilder mutiert oder als Steinzeitpaar würdevoll durch den Präsidentenpalast stolzierend.

Sigrid Nienstedt bleibt mit ihren fotorealistischen Tierportraits so dicht an der Wirklichkeit, dass Windhund oder Dalmatiner, Pinscher oder Boxhund Fragen nach dem Gesicht ihrer abwesenden Herrschaft aufwerfen. Sala Lieber dagegen lässt Affe und Hund in barocker Umgebung auftreten, inmitten von Samt, Seide und Ritterrüstzeug, als stilisierte Zitate von Velasquez Bildern. Auch hier ist die Malweise in jedem Detail altmeisterlich, die Tier- oder Affenschnauze in historischem Ambiente zum Greifen nah. Joanna Jesse distanziert ihr „Mädchen mit Hund“ in kaltem Schwarz-Weiß, während Christa Brenner Huhn, Hund und Hahn in Bronze gießt. Jörg Schirmers Kettenhund aus Holz geschlagen und grün bemalt fletscht stumm die Zähne in Richtung Betrachter und schärft die Krallen.

Eine lehrreiche leichte Schau mit unterhaltsamem Tiefgang.

Bis 15.8.2011, Galerie Klose, Zweigertstr. 3-7, mo-fr 10-18.30, sa 10-15 Uhr

Ab September 2011 auf der Rüttenscheider Straße 221

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