Sonntag, 10. Juli 2011

Farbe, Raum, Konzept


Farbe, Raum, Konzept - das ist konstruktive Malerei zum 25-jährigen Jubiläum der Galerie Schütte. Fanden die ersten der nunmehr 166 Ausstellungen noch in Privaträumen statt, zog der Galerist dann in die Bornraße und von dort in den Essener Süden. Ein „soziostrukturelles“ Kontrastprogramm war es zunächst, doch dies zählt weniger als die Liebe zur Kunst, die ungebrochen den konzeptionell reduzierten, geradlinig klaren Positionen gilt.
19 Bilder, von jedem Künstler eins, stellt Gerd Schütte zur Jubiläumsschau vor, Künstler, die seit den Anfängen dabei sind, und andere, die er soeben entdeckt und zu fördern beschlossen hat. Wer glaubt, dass sich 19 kreative Individualisten, jeder sein eigener und des anderen schärfster Kritiker, konkurrierend ins Gehege kommen, der hat sich getäuscht. Es ist Gerd Schütte bestens gelungen, konzeptionelle Unterschiede auszugleichen. Jedes Bild fand seinen passenden Platz, dass trotz anfänglicher Skepsis jeder die Organisation überzeugend und stimmig fand. Nichts wirkt überladen in den schlichten, übersichtlichen Räumen, kein Exponat stört das andere. Ob ihm die Selektion schwer gefallen sei? Bei machen habe er sofort gewusst, welches Bild er brauche, bei anderen hatte er die Qual der Wahl, so der Galerist, der sich zu recht über den Rückblick und positiven Ausblick auf seine zukünftige Tätigkeit freut.
Und so wurde die Ausstellung, auch das ist guter gegenstandsloser Kunst zu eigen, ein großes bescheidenes Understatement, denn der ungeübte Betrachter erkennt nicht immer, was an einer glattgeputzten Aluminiumtafel, einem Papierschild mit der Aufschrift 20 € oder einer Kiste mit pink gespachteltem Ölüberzug Besonderes sein soll. Vieles erschließt sich nicht auf den ersten Blick und das ist gut so.
Nicht auf jede Position kann an dieser Stelle eingegangen werden, dafür gibt es einen sinnfällig gestalteten Katalog mit aufschlussreichen Erklärungen. Stattdessen ein paar Impressionen vom Rundgang, bei dem sich Gegensätze kontrastreich ergänzen.
Cathy Jardons Bild „broken“ mit scharf kantigen, intensiv farbigen Quadraten hängt gut in der Nähe von Thom Barths 6-teiligem Ensemble aus kleineren quadratischen Leinwänden, aufgerissen, zerrissen, getackert und rudimentär bemalt, und der Papierarbeit des Österreichers Ingo Nussbaumer, der die Lichtbrechung physikalisch und malerisch erforscht, indem er Farbflächen mit interferierenden Schattenzonen zu Farbräumen konzentriert.
Klaus Schneider, einen Raum weiter, konstruiert Blindenschrift mit Buchstabenfetzen auf und hinter Glas, während Kurt Ryslavy sein herausziehbares Tafelbild im schwarz lackierten Bildschuber verbirgt, vor dem sich der Betrachter spiegelt. Ahn Hyu-Ju baut Farbstreifen auf Aluminium zu prismatisch gebrochenen Räumen aus, wohingegen Armin Turks meditativ wirkende Farbfelder pulsieren im Widerschein des Lichts. Daneben hängt eine kleine Scheinlandschaft aus Acryllasuren haarfein gemalt von Wolfgang Bühler, gefolgt von Christiane von Wittgensteins grünfarbiger Latexarbeit auf Papier/Dibond oder dem „Jeu des couleurs 11“ von Ines Hock. Zurück im Eingangsbereich lässt man den Dialog schwarzweißgrauen Streifen auf der Arbeit von Norbert Fleischmann an sich vorüberziehen oder die an den Rändern ausglühenden Farben von Marita Damkröger.
Bis 10.Sept, Galerie Schütte, di-fr 14.30-19.00, sa 11-17 Uhr, Essen-Kettwig Hauptstraße 4

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