Donnerstag, 21. Juli 2011

Zeitgenössische Skulptur



So wie sie bei der Eröffnung war, ist die Ausstellung nicht mehr zu sehen. Ein großes Objekt von Stephan Marienfeld stand im Zentrum der Schau, eine fast raumhohe Säule aus Edelstahl, in der sich die Arbeiten und die neugierigen Besucher spiegelten. Verkauft, leider, muss man fast sagen, befindet es sich bereits in der Hand seiner neuen Besitzer.
Sommerzeit, Gruppenausstellungszeit? So ist es in vielen Städten, häufig mit dem Effekt inhaltlicher Beliebigkeit. Kann das in Essen anders sein? Ja! Alle der hier gezeigten Gruppenausstellungen präsentieren ein inhaltlich präzises und schlüssiges Programm. Colmar Goltz+Noelte haben zum Thema die zeitgenössische Skulptur gewählt. Holz, Gips, Edelstahl, Bronze, Ready-made, unterschiedlicher könnten die Arbeiten kaum sein. Dennoch fügen sie sich zu einem stimmigen Ganzen, weil alle von cooler, konstruktiver Ästhetik sind, häufig mit ironischem Unterton. Einige der 22 ausstellenden Künstler sind seit etlichen Jahren, andere als Newcomer im Programm der Galerie, zusammen zeigen sie Bandbreite und technische Entwicklung, die es im Medium Skulptur heute gibt.
Mit der Kettensäge bearbeitet Roger Löcherbach sein Material, fräst weg und zersägt, was das Objekt nicht braucht. Meist von filigraner Statur sind die typisierten Figuren, die sich aus Platanen- oder Buchenblöcken schälen, tragen Spuren, Kerben, Kanten auf einer rauen, mit Farbe markierten Oberfläche. Auf einem Tischlein stehen der Aggressive, der Hamoniebedürftige, der himmelwärts Gewandte und die 6 Urlauber lümmeln im Fenster der Galerie. Jeder späht, schaut, sinniert, individuell und scheinbar ohne Kontakt.
Der Tony Cragg-Schüler Suleyman Rzayev dekonstruiert traditionelle Personen- und Herrscherportraits, indem er Physiognomien mit Tonwülsten unkenntlich macht oder gleich einen Affen portraitiert. Frank Bernemann verunsichert Sehgewohnheiten, inhaltlich und perspektivisch, indem er Innenräume in lackierte Holzflächen schneidet, Vertiefungen mit Industriewachs füllt, industrielle und handgearbeitete Flächen natürlich nebeneinander bestehen lässt. „Opiate zum Sonnenaufgang“ heißt sein gekerbtes Holzrelief.
Schon 2007 hat Anja Luithle das Essener Stadtbild bereichert durch ihre große, rote Dame im Schlosspark Borbeck, ein Kleid ohne Figur mit erkennbarem Bezug zu den Äbtissinnen, die die Essener Stadtgeschichte prägten. Mittlerweile ist die Künstlerin in überregionalen Museen repräsentiert und zeigt weiterhin eine gute Portion Humor im Umgang mit Gechlechtsrollenklischees. In Endlosschleife rollt sich die Kravatte rauf und runter. Dazu Reifröcke auf einem Rotor, sie drehen und schütteln sich mit dem Klatschen der Besucher. „A bad day at the office“ denken sich da der Wolf im Schafspelz und der Jack Russell. Eine Friedens-Zigarette auf grünem Plastikrasen rauchen sie, wie die Angestellten vor der Tür ihrer Firma.

Bis 27.8.2011, kunst-raum/ schulte-goltz+noelte, Rüttenscheider Str. 56, di-fr 12-19, sa 10-16 Uhr

17.7.-27.8., James Larsen stellt im Kunstverein Dorsten aus, Wiesenstr.4, m+do15-18, sa 10-15Uh. „Get out of town“...Globale Kulturen begegnen sich in Architekturen, wo geflügelte, bepelzte, Krallen schwingende tierische Protagonisten Zwiegespräche führen.
Bis 7.8., „Now“, Ausstellung Stefan Marienfeld in der Städtischen Galerie Lemgo

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