Mittwoch, 28. September 2011

Flüchtige Passanten und Monumente der Industriekultur


In neuen Ausstellungsräumen auf der Rüttenscheider Straße, transparent, klar strukturiert und einsehbar, präsentiert die Galerie Klose “night and day³, eine Ausstellung zum Thema Mensch und Stadt, in der jedes der fotorealistischen Bilder und jede der vorgestellten Fotografien Architektur und ihre Bewohner als getrennt voneinander definiert.
Kirsten van den Boogard beobachtet Menschen in alltäglichen Situationen, beim Hasten, Promenieren, Verweilen, in der Freizeit, beim Gang ins Büro, in offenen und undefinierten Räumen. Auf glänzenden weißen und schwarzen Dibondtafeln stellt sie Personen dar, in Rückenansicht zum Betrachter, der die Tätigkeit und Bewegung der Protagonisten verfolgt. - Eine junge Frau auf dem Weg ins Theater, eine andere, die ihren Hund ausführt, Jugendliche im Rapper-Stil, die sitzen, schauen, warten. Über die Kleidung schließt der Betrachter auf Status und Alter, über die Tätigkeit der Figuren, auf den öffentlichen Raum - der Platz lässt zum Verweilen oder  Menschen in den Strom städtischer Umgebung zwingt. Die anonymisierten Figuren werden zu Stellvertretern: für das Flüchtige, Unauffällige, im Alltag nicht Wahrgenommene, zu liebens- und bemerkenswerten Zeichen für das, was einem in der Routine entgeht.
Die geborene Hamburgerin über ihr Werk: “ In unserer visuellen Welt bleibt zwischen Sensation und Katastrophe wenig Raum für den alltäglichen Moment. Deshalb beobachte, sammle und dokumentiere ich menschliche Augenblicke. Die Malerei funktioniert als Filter, die so gewonnene Essenz stellt das echte Leben zur Schau,³ also das, was es zu bewahren gilt.
Im Gegensatz dazu sind die Arbeiten des Fotografenduos Frank Hohmann und Daniela Szczepanski menschenleer. “Aufnachtschicht³, so der Titel der Objekte, zeigt in Licht und Farbe monumentalisiert, Industrie- und Architekturobjekte des Ruhrgebiets: einen Kühlturm aus dem Steinwerk von Thyssen Krupp in Duisburg, einen Baum aus dem Garten der Villa Hügel oder den Erzbunker der Henrichshütte in Hattingen. Die vermeintlich vertrauten Motive wirken fremd und schön, wie Ikonen einer Industriekultur, die abgedankt hat.
Bis 17.10.2011, Galerie Klose, mo-fr 10-18.30, sa 10-15 Uhr, Rüttenscheider Straße 221  

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen