Samstag, 24. September 2011

Slava Seidel und Christian Boltanski in der Galerie GAM

Mit zwei sehr gut fundierten künstlerischen Positionen tiefenpsychologischer Prägung startet die Galerie GAM, nun auch mit zweitem Standbein in Zürich, die
Eröffnung der Herbstsaison in Essen.


Slava Seidels Bilder, in Sepiatusche gezeichnet und mit Einbeziehung alleatorischer Verfahren gemalt, stellen surreale Albtraumwelten dar,Phantasien, die den Grotesken von Tintoretto, Goya oder G.B. Piranesi entsprungen sein könnten. Perspektivisch “unmögliche³, frei erfundene und historische Architekturen aus Renaissance und Barock stellen Bühnen für Menschen dar, phantastisch und von suggestiver Wirkung. In endlos gestaffelten, stürzenden und fliehenden Räumen irren Figuren wie in Filmen umher, einsam, ohne erkennbares Ziel, ohne einsehbaren Grund oder Halt, jedoch getrieben und von traumwandlerischer Sicherheit. Auf der Suche nach dem Nichts wie der Apotheker von Dali oder auf der Suche nach dem Selbst? Einer eindeutigen Interpretation entziehen sich diese z.T. großformatigen und bisweilen beklemmend wirkenden, eindrucksvollen Papierbilder.

Slava Seidel kam aus der Ukraine nach Deutschland und beendete ihr Malereistudium an der HdBK Frankfurt als Meisterschülerin von Christa Näher.

Auch Christian Boltanski, 1944 in Frankreich geboren, hat Wurzeln in der Ukraine. Man erinnert sich an den französischen Pavillion, den er dieses Jahr für die Biennale in Venedig gestaltete mit schwarz-weißen Bildern von Menschen auf raumhoch surrenden Filmspulen.

In der Essener Ausstellung stellt Boltanski mit der Serie “Reconstitution“ entwicklungs-psychologisch typische Kinderaktionen nach: das Versteck-, Cowboy-, Polizeispiel, Stationen, in denen die Kinder sich selbst und ihren Platz in der Welt erkunden. Jede Aktion, mit fiktivem Datum versehen bezeugt des Künstlers Faszination für die Wissenschaft, mit der er persönliche Geschichten von Menschen im Medium der Kunst fotografisch archiviert.

Bis 15.10.2011, Galerie GAM, Kahrstraße 59, mi-fr 12-18, sa 10-16 Uhr

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