Mittwoch, 26. Oktober 2011

Der Galerist als Regisseur

Wieder einmal inszeniert Colmar Schulte-Goltz eine perfekte Eröffnungsschau. Interessant zu beobachten ist, wie präzise die Dinge ineinander greifen, wenn man Interessen und eigene Präferenzen unbeirrt verfolgt. Das taten beide, der Galerist und der Künstler. Rhetorisch geschliffen, mit Humor und Fachwissen gespickt präsentiert der Galerist einen hochbegabten jungen Künstler, und zwar so, dass dessen Arbeiten zu noch moderaten Preisen kurz nach der Eröffnung fast ausverkauft sind. Ein Erfolg, den Alpay Efe sich wohl kaum träumen ließ, und den man ihm, dem unprätentiösen Schüler von Markus Lüpertz und Katharina Grosse, nur allzu gern gönnt. Aufrichtig klingt das Understatement des 24-Jährigen, wenn er sagt, er habe schließlich nur das getan, was er konnte, das sei malen, und er hoffe, es sei gut.
Augentäuschend und technisch versiert, inhaltlich in der Balance zwischen kunsthistorischem Rückgriff und zeitgenössischer  Aktualität präsentiert er seine in Öl auf Holzgrund gemalten Bilder. Originell geben sie sich in der Kombination vermeintlich nicht zusammengehöriger Bildgegenstände, sinnlich opulent, wenn sie halb enthüllte Damen und verführerische, genauer gesagt verführte junge Männer zeigen. Denn sein “Odysseus³ von heute  hat gegen die Übermacht blonder Sirenen kaum eine Chance. Zu eindeutig ist die Dominanz der Damen, die lässig  in sich ruhen, mit Reizen nicht geizen, ohne sie offensiv in Pose zu setzen. In beiläufigen Szenen präsentieren sie sich, in Dessous, Straßenkleidung, im Pelz oder mit einem Manga bedruckten Tuch verhüllt neben zerzaustem Bett.
Ob man deswegen ernsthaft an das Erwachen der Psyche, Kassandra und das goldene Vlies denken muss, so suggerieren es die Titel, ist eine andere Frage. Kunsthistorisch auftragen müsste der Künstler nicht, um seine Figuren mit Bedeutung zu versehen. Denkbar vielmehr ist, dass Alpay Efe, der sich auch auf Comics versteht, die Fetischisierung von Gebrauchswerten ironisiert, wenn er die junge Asiatin nackt unter einem edlen Pelzmantel zeigt. Denn das goldene Vlies war ursprünglich nichts als ein dichtwolliges Schaffell, das die Bewohner von Kolchis ins Wasser hielten, damit sich daran der Goldstaub fängt.
In Lederjacke und Captain America T-Shirt stellt sich Efe vor einer Spiegelwand dar. Grünes Farblicht umfließt das Selbstportrait und verleiht ihm wie auch den anderen Motiven seiner Kunst eine einladend fremdartige Aura.

bis 12.11.2011, kunstraum schulte-goltz und noelte, di-fr 12-19, sa 10-16 Uhr,  Rüttenscheider Str. 56
28.10. - 01.11 ART.FAIR 21 /Staatenhaus am Rheinpark, Köln
28.10. - 30.10. C.A.R. contemporary art ruhr, Zeche Zollverein Essen

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