Donnerstag, 27. Oktober 2011

Neue Malerei und rätselhafte Objekte in der Galerie Frank Schlag

Spannende und gegensätzliche Positionen aktueller Kunst, Malerei und Objekte, sind in der Galerie Schlag ausgestellt.
Tomomi Morishima, der junge Japaner, geboren in Paris, aufgewachsen in Hiroshima, studierte in Tokio und  Karlsruhe bei Helmut Dorner, er ist eine Neuentdeckung der Galerie.
Große Tableaus und ganz kleine Formate strahlen Farbe  aus, öffnen Bildräume, beziehen den Betrachter ein: mit Rückenfiguren, deren Blickrichtung man folgt, mit Rauminterferenzen, die man nicht zuordnen kann und geometrischen Konstruktionen, die Bildflächen verspannen.  Schleier, Tupfen, Flecken, Lasuren ziehen sich in taghellen lichten Tönen über das Bild und wirken wie abstrakte Übungen, besser gesagt wie eine Klaviatur, die der Künstler anschlägt, um daraus den Bildgegenstand aufzubauen: Figuren, Kinder, Erwachsene, die sich traumwandlerisch in der Natur bewegen und dabei ganz alltägliche Dinge tun. Schwimmen oder spazieren gehen, ins Gespräch vertieft sind. Dennoch hat man den Eindruck, die Szenerien fänden nicht statt, als seien sie des Betrachters Projektion. Zu luftig und fiktiv sind die Räume, die der Künstler mit Konstruktionslinien andeutet, aber inhaltlich architektonisch nicht definiert.
Morishima sagt dazu: “Es ist immer mein größter Ehrgeiz ein Bild zu schaffen, in dessen Bildraum der Betrachter hineintreten und darin spazieren gehen kann." Konkrete Festlegungen und Narrrationen meidet er, sondern schafft vielmehr deutungsoffene, doch bewusst komponierte Stimmungsräume.

Interpretationensoffen sind auch die gleichermaßen surrealen wie konkret lesbaren plastischen Chiffren des 1962 in den Niederlanden geboren Düsseldorfer Künstlers Adrian Schoormans. Auf runden flachen Sockeln, einer allseitig einsehbaren Experimentierbühne gleich, stehen schrundige anthropomorphe Figuren, eine Mischung aus Monster, Mensch und Natur. In verschiedenen existenziellen Situationen stehen sie da wie ein aus der Natur gefallenes und sich die Natur anverwandelndes Wesen. Blätter kahler Bäume bilden die Kleidung, ein anderes nährt sich von einem Stamm, jedoch sind die natürlichen Kreisläufe unterbrochen und ausgedorrt.

Künstlich und ästhetisch kühl wirken die perfekt inszenierten Materialien und metallischen Farben, die Symbole abgrenzen und sie unverbrüchlich in die Gesamtaussage einbinden. Alle Arbeiten thematisieren die Manipulation des Menschen, der eigenen Natur und der fremden, ein roter Faden, der sich auch durch sein artifiziell wirkendes zeichnerisches Werk zieht. Kaum zu glauben ist, dass die technisch virtuos konstruierten Zeichnungen mediale Vorlagen zum Anlass nehmen, um daraus verfremdete, an Computer-Grafiken erinnernde erzählerische Collagen zu formulieren.

Galerie Frank Schlag, bis 2.12.2011, Meisenburgstr. 173, di-fr 14-19, sa. 11-16 Uhr

28. - 30.10.2011 C.A.R. contemporary art ruhr, Zeche Zollverein Essen, Halle 5 (gezeigt werden: Tim Beeby, Franck Gohier, Andrea C. Hoffer, Bitgit Klerch, Terry Taylor, Johannes Vetter, Zhong Biao)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen