Dienstag, 20. Dezember 2011

Accrochage bei Ricarda Fox

Eine Accrochage, die stilvolle Präsentation von Bildern aus dem Bestand der Galerie, gibt es bei Ricarda Fox in Mühlheim zu sehen. Acht bekannte und fünf neue Positionen werden zu einer inhaltlich interessanten, ästhetisch ansprechenden Neuaufführung gebracht. Das Thema Natur und menschliche Figur zieht sich als buchstäblich roter Faden inhaltlich und im Farbverlauf durch die Schau. Neben der Auslotung medialer Möglichkeiten wird die menschliche Wahrnehmung thematisiert, ihre Prägung durch physiologische und psychologische Rezeptionsmuster. Spannend dabei ist die Kombination der unterschiedlichen Positionen im Gesamtprogramm der Galerie.

Einen Schwerpunkt bilden neue Arbeiten von Oliver Jordan, öl- und inhaltsschwere Nebel-, Meer und Flusslandschafen. Blattleere Bäume mit knorrigen Ästen biegen sich zum Wasser hin, Acker- und Erdfurchen wirken ausdrucksstark und aufgewühlt. Noch pastoser trägt die Fußmann-Schülerin Monika Taffet die Farbe auf. Sie schafft plastische Zentren im Bild, die, mit kräftigen Farbläufen kombiniert, eine eher positive Sicht der meist sommerlich wirkenden Landschaften betonen. Ähnlich sieht es die Mülheimer Künstlerin Vera Herzogenrath, die Landschaften zu ausdrucksstarken Farbflächen und festen Formationen zusammenfügt.

Setzen diese Künstler einen inneren Eindruck von Landschaft um, geht es bei Christian Hoffmann und Carsten Klein um die Wahrnehmung und Abstraktion des Motivs in den Medien Malerei und Fotografie. Hoffmann reduziert Natur auf Horizontlinien und materiell aufgeladene Flächenformationen, deren Energie der Betrachter aus der Malerei spüren kann. Von den eigenen erdigen Bildern hat er nun Fotografien gefertigt, die den Ausdruck der Ölbilder ins Kleinformat einer Dibond Platte bannen.

Anders geht Carsten Klein vor, indem er weite und typologisch komprimierte Landschaften in unbunter Farbe und trüb schimmerndem Licht fotografiert. Was der Betrachter wahrnimmt, sieht aus, als wollte es jeden Moment in der Dunkelheit verschwinden.

Auch die Ruff-Schülerin In Sook Kim setzt Fotografie malerisch ein: Frauen in Rückenansicht, weich und verschwommen, das Haar glänzend wie das von “Betty" in dem berühmten Gerhard Richter Bild.

Nicht übersehen darf man die beiden “Neuerwerbungen³ der Galerie, Andrea Küster und Aldo Cristofaros.

Die Düsseldorferin hat Anthurien gehasst, bis sie sich malerisch mit ihnen befasste. Ein wenig an Georgia O¹Keefe erinnern ihre gemalten Blow-Ups von Blättern und Pflanzenkelchen. Monumentalisiert in Farbe und Raum verfremdet sie die Details, bis der Eindruck pulsierender, plastisch transparenter Flächen entsteht, die die Vergänglichkeit der Flora im Bild fixieren.

Aldo Cristofaros Bilder, der in Italien geborene Künstler lebt in Berlin, sind seit seinem einschlagenden Erfolg in London knapp. Denn sie sind gut! Als “Sammler seiner visuellen und audiellen Umgebung³ bezeichnet er sich und malt mit kräftigen, stark verdünnten Farben audiovisuelle Psychogramme von Stadt und Natur. Farbe, Zeichnung, Form und Licht verbinden sich zu einem ebenso lichten wie stark konzentrierten Bild, das die widersprüchlichsten Empfindungen synästhetisch koordiniert. Man darf gespannt sein auf die Einzelausstellung im nächsten Jahr!

bis 25.2.2012, Ricarda Fox, MH, Liverpoolstraße 15, Di-Fr 15-19, Sa 12-16 Uhr u.n.V.

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