Mittwoch, 14. Dezember 2011

Grützke bei Kiefer

Parallel zur großen Grützke Schau in Nürnberg stellt Klaus Kiefer den Berliner Künstler aus. Eine Ausstellung mit Öl- und vorwiegend grafischen Arbeiten ist hier in Essen zu sehen, die motiviert, die Reise ins Germanische Nationalmuseum anzutreten, wo das Gesamtwerk des Malers mit Malerei, Druckgrafik, Skulptur und Arbeiten aus  Literatur, Musik und Theater derzeit umfangreich dargestellt wird. Von 1992 bis 2002 hat Grützke in Nürnberg doziert.
Was die breite Öffentlichkeit derzeit zur Kenntnis nimmt, weiß Klaus Kiefer schon lange. Dass hinter dem sarkastischen Humor und lauten Auftritt der Bilder ein sensibler Künstler steckt, dessen clowneske Maskierung der Welt einen theatralischen Spiegel vorhält. Was man da sieht, gefällt einem nicht immer.
Wahrhaftigkeit lautet die oberste Maxime des quer denkenden Malerfürsten der "neuen Prächtigkeit". Mit dem Appell "rettet Euch aus der Kläglichkeit" wandten sich einige Berliner Maler im Januar 1973 an eine Öffentlichkeit, die feierlich im Bann der abstrakten Malerei stand, blind für einen Humor, der schonungslos und satirisch menschliche Laster attackiert.
Grützke ist ein Meister des Portraits, beliebtes Motiv ist er selbst. Nicht weil er schön oder eitel ist, sondern weil die eigene Person die Maskierung des Individuums so sichtbar macht. Er zeigt Rollenspiel und Gruppenzwang, gesellschaftliche Neurosen, private Regression. Eine Sittengeschichte der deutschen Gesellschaft tut sich da auf, Hauptakteur und Drahtzieher bleibt der Künstler in zahlreichen Einzel- und Gruppendarstellungen.
Doch seine Bilder, so bizarr und verstörend sie auch anmuten, formulieren keine Botschaften. "Denn Malerei ist Denken mit dem Pinsel und das Bild ein Abfallprodukt malender Forschungstätigkeit." Erfahrungen des Künstlers in der ihn "umgebenden kleinen Welt" bilden den Ausgangspunkt, "denn diese kleine steht stellvertretend die gesamte große und meine Person demzufolge für die aller Personen." Das Herzklopfen angesichts dessen, was er am Ende eines Malprozesses in seinen Bildern sieht, überfällt den Peter Jansen-Meisterschüler auch heute mit 72 Jahren noch.
bis 30.11., Galerie Klaus Kiefer, Rüttenscheider Str. 221, di-fr 11-18.30, sa 10-14 Uhr

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