Samstag, 17. Dezember 2011

Zwei zeitgenössische Klassiker

Zwei Künstler hat Frank Schlag in seiner Schau zusammengeführt. Joachim Czichon, den der Galerist seit 30 Jahren kennt, und Toon Teeken, der, in Holland sehr bekannt, auf dem deutschen Kunstmarkt noch unterrepräsentiert ist. Beide gehören der Generation Ü50 an und sind Klassiker, ein jeder auf seinem Gebiet.

Czichons dekorativ farbigen Arbeiten lieben die einen, andere gibt es, die finden sie konventionell. Den Gestus vom Informel, das Dripping von Pollock, dazu die Grundfarben eines Mondrian - heraus kommt eine abstrakt figurative Formenmixtur, die den Vergleich mit den Vorbildern der Klassischen Moderne nicht scheuen muss. Der in Carlsruhe, Polen, geborene Künstler entwickelt im Umgang mit der Klassischen Moderne eine eigene ästhetische Position, die sich zum positiven, hell und offen wirkenden Einsatz der bildnerischen Mittel bekennt.


Vor weißem Grund stehen Linien-, Farb- und Formgeflechte, durchdringen und überlagern sich, ohne ganz ineinander aufzugehen. Jedes der expressiven Elemente hat Raum auf dem in dieser Serie aufgelockerten weißen Grund. Linien und Drippingspuren behaupten ihre Eigenständigkeit. Auch die Grundfarben ergänzen, jedoch brechen sich nicht, so dass aus deren Mischung niemals ein Grün oder dumpfes Violett entsteht. Klar und harmonisch bedingt ein Element das andere in frei gewählter Autonomie.

Große Tableaus gibt es zu sehen und kleine, dazu seltene Keramikobjekte, die an der Staatlichen Majolikamanufaktur in Karlsruhe entstanden sind. An der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe hat der Künstler studiert.


Ganz anders, doch ebenso offen und positiv sind die Arbeiten von Toon Teekens gestrickt. Aus dicker schrundiger Ölfarbe schälen sich die Portraits, überzogen mit Mustern, Linien, spiegelverkehrten Schriftzügen. Gebrochene, z. T. pastellfarbige Töne dominieren die ausdrucksstarken Gesichter von Musikern, Dichtern, Künstlern, Philosophen. Dargestellt sind Personen, die jeder kennt, durch ihre bahnbrechenden Werke und nicht primär über ihre Physiognomie. Wer Celan kennt, denkt an die Todesfuge, bei Bonnard ist es die Farbe, bei Beckett vielleicht “Warten auf Godot“. Künstler, die den Künstler interessieren, stellt Teeken dar und verleiht ihnen ein z.T. unlesbares, jedoch charakterstarkes Gesicht. “Elliot Carter meets Igor Strawinsky“, ähnliches Outfit, andere Köpfe, gegensätzlich die Musik. Das Künstlerduo Gilbert & George, ihre strenge Disziplin und unbedingte Liebe zur Kunst werden über die typische Haltung und ihre karierte Anzüge charakterisiert. Es ist eine plastisch aufbauende Malerei und das Bild erhält Präsenz durch etwas, was zwischen den Farbmassen liegt: Die Aura der Figur und die Hand des Künstlers. Es ist seit 1991 als Dozent an der Akademie der bildenden Künste in Den Bosch tätig.

Bis 20.1.2012, Galerie Schlag, Meisenburgstraße 173,
di-fr 14-19, sa 11-16 Uhr

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen