Samstag, 28. Januar 2012

Etwas muss raus!

Etwas muss raus! Nicht alles, das ist klar, sondern das, was der Galerist nicht mehr braucht. Nicht etwa weil die Qualität nicht stimmt, sondern weil das Bild nicht mehr passt ins Programm der Galerie, weil es zu groß ist, zu bunt, zu alt oder zu expressiv.

“Ein bisschen schräg darf es sein“, so der Galerist, und das ist es auch bei der 170sten Ausstellung, die er nun bestreitet. Ohne gedruckte Einladung kommen die Besucher und ohne gedruckten Preis stehen die Bilder zum Verkauf. Der Kunde bestimmt den Preis, den er bezahlen will, und Gerd Schütte schlägt ein oder behält das Objekt zurück. Denn nicht um jeden beliebigen Preis ist ein Exponat zu haben, sondern zu Konditionen, die günstig sind, ohne den Wert des Werks, die Reputation des Künstlers oder die der Galerie zu beleidigen. “In der Regel haut der Preis hin“, denn der Besucher sichtet sein Schnäppchen und der Galerist freut sich über den freien Raum, der Platz macht für neue Kunst.


Und so passiert es, dass man beim Bestaunen der Ausstellung vergisst, dass man zu Besuch in der Galerie Gerd Schütte ist. Informelles, Narratives, Figuratives, expressive Farbe und ein wenig Art Brut gibt es zu bestaunen, all das, was man im klaren Stil des sonst konstruktiv abstrakten Programms nicht erwartet.


Aber gerade so, bei der Sichtung früher oder untypischer Arbeiten kann man bekannte Künstler neu entdecken. Horst Keinings große, hauchdünn gemalte Strukturbilder, “sie sind zu groß für die Räume der Galerie“, Thomas Kohls braune, erdige Landschaften oder Edgar Eubels frühe expressiv abstrakte Figuration. Daneben ein Wolfgang Bühler, der Acrylfarbe mit Pigmenten aufmischt, die silbrig grau glänzen oder matt auf der Leinwand stehen wie mit Asche gemalte schrundige Strukturen. Manfred Nipp zeigt gestische Pinselspuren, die im Spätwerk feine und unendliche Differenzung erfahren. Und Andrea Hold-Fernecks graue Gummibaumblätter? In der realen Spießigkeit sind kaum zu übertreffen und wuchern in der malerisch filigran wirkenden Fotografie zu bedrohlichen Naturwesen aus.

"DIE HUNDERTSIEBZIGSTE - Bilder aus mehr als 25 Jahren" bis 25.02.2012, Galerie Schütte, Essen Kettwig, Hauptstr. 4, di-fr 14.30-19.00, sa 11-17 Uhr

ab 10.3. Klaus Schneider

ab 2.3. Arbeiten aus der Sammlung im Kunstraum der Scheidschen Hallen in

Essen Kettwig

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