Mittwoch, 22. Februar 2012

Andy Scholz neue Arbeiten

Zentral ist der Arbeitsplatz. Er verspricht Überblick und ein wenig Distanz in dem neu gestalteten Kubus der Galerie, ein sachlicher, großzügiger Raum, der Ruhe ausstrahlt. Wie ein Kunstobjekt sein Volumen entfaltet, so strahlt dieser Raum zurück auf die Kunst. Höhe und Helligkeit erweitern den Blick, ebenso wie die Fensterfront, die das Geschehen innen den Passanten draußen einsichtig macht. Ein auf Klarheit angelegtes architektonisches Konzept ist hier realisiert, mit dem der Galerist sein Programm profilschärfend manifestiert.




Torsten Obrist, seit einem Jahr auch in Zürich präsent, stellt in Zukunft verstärkt Künstler aus, die “widerständig sind³ und ein Konzept vertreten, das sich einer dekorativen Ästhetik versperrt. Neu im Programm ist u.a. Martin Schwenk, dessen Werk auch im Museum Haus Esters in Krefeld zu sehen ist.

Die Eröffnung jedoch gilt Andy Scholz. Seine malerisch und gleichzeitig konstruktiv sachliche Fotografie kombiniert er hier mit einer Videoinstallation.

Baustellengeräusche surren durch den Raum, dazu Standbilder, auf denen nichts passiert. Ein Hinweis schon an den Betrachter, der das, was er sieht, entschlüsseln und neu konstruieren muss? Malerisch breitet sich eine blaue Fläche aus, deren Wellen nicht Segel, sondern eine festgezurrte Baustellenplane sind. Verschwommen schimmern die Details, manche werden im Blow-Up herangezoomt. Wie Wahrnehmungsfallen verstellen Gitter oder Maschendrahtzäume in jeder Fotografie eine vordergründige Sicht. Tumnnelblicke, der Einblick in das Gefängnis von Alcantraz oder die Ansicht einer asphaltgrauen Tiefgarage wirken wie Ausschnitte aus dem Film eines David Lynch. Menschen tauchen wenige auf, werden behandelt wie die übrigen Objekte im Raum: Als Strukturen einer Wirklichkeit, die nur mikroskopisch, im Ausschnitt oder überlagert von Filtern und Folien zu erfassen ist.

Die Titel, sachlich nummeriert, verweisen auf Orte, an denen die Bilder aufgenommen worden sind, in der Wüste Nevada oder auf der Baustelle des neu entstandenen Folkwang-Museums. Einzelbilder arrangiert der Sasse-Schüler und Folkwang-Dozent zusammen zu Dyp- und Trypthichen, eine Verfahren, das die verfremdete Wirklichkeit zusätzlich mit multiplen Bedeutungen auflädt.

Bis 25.2. Galerie Obrist, Kahrstraße 59, mi-fr 12-18, sa 10-16 Uhr

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