Samstag, 11. Februar 2012

Best of Ruhrgebiet

Full house! Currywurst im Keller, Cocktails unterm Dach, dazu hochkarätige Kunst mit einem Besucherstrom, der bei klirrender Kälte bis spät in die Nacht nicht abreißen wollte.

Eine große Vernissage war es für eine groß angelegte Schau mit 20 Künstlern aus dem Revier. Best of Ruhrgebiet lautet selbtbewusst der Titel der Ausstellung, in der Frank Schlag zeigt ,dass die heimischen Wurzeln prägen, auch wenn sie längst international verankert und anerkannt sind. Von Dortmund bis Duisburg und Krefeld, also auch ein wenig über den harten Kern der Region hinaus, stellt der Galerist Künstler vor, die er lange kennt. Und die die Region prägten, nicht nur mit ihrer Kunst, sondern auch mit Initiativen, die halfen, die heterogene Infrastruktur der Region ein wenig zu überwinden. So wie Thomas Grochowiak, der mit 97 Jahren der Senior unter den Ausstellenden ist und heute vorwiegend bei Baden-Baden lebt. - Ohne jemals den emotionalen Draht zum Ruhrgebiet zu verlieren, wo er die Künstlergruppe “B1³ gründete oder das Recklinghausener Ikonenmuseum.

Doch nicht honorigen Lokalpatriotismus präsentiert uns Frank Schlag hier, sondern eine qualitätsorientierte Sichtung des regionalen Potenzials, mit Positionen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Und die, über zwei Etagen der Gründerzeitvilla stilsicher arrangiert, überraschende und ästhetisch genussvolle Einblicke gewährt. Denn auch hochgradig individuelle Positionen gehen fruchtbare Dialoge ein, wenn Bild und Klang der Ausstellung stimmen. Dies ist hier zweifelsohne der Fall.

60 Arbeiten waren angedacht, 80 sind es geworden. Die Auswahl fiel dem Galeristen nicht schwer, da er die Planung des Projekts aufgrund langjähriger Kontakte profund vorbereitet hat und fortführen wird. Werden derzeit die noch lebenden Künstler mit besonderem Kontakt zur Region vorgestellt, werden es in einem folgenden Projekt die Verstorbenen sein. Und wenn Ralf Raßloff mit 47 Jahren in dieser Ausstellung der jüngste Künstler ist, so zeigt dies sicher auch die Struktur einer von Abwanderung geprägten Industrieregion sowie die Mentalität nachfolgender Generationen, die eher im Umfeld traditioneller Kunstakademien und internationaler Metropolen angesiedelt sind.

Es werden Lichtobjekte, Skulpturen, Malerei und Fotografie, z.T. bekannte, unbekannte, aber meist neue und eigens angefertigte Arbeiten von:

Tim Beeby, Helmut Bettenhausen, Johannes Brus, Günter Dohr, Friedrich Gräsel, Thomas Grochowiak, Jitka Hanzlvaà, Jiri Hilmar, Dirk Hupe, Franz Rudolf Knubel, Hartwig Kompa, Wolfgang Liesen, Horst Linn, Willi Otremba, Christoph Platz, Ralf Raßloff, Eberhard Ross, Harald Schmitz-Schmelzer, VA Wölfl, Carl Emanuel Wolff

bis 16.3.2012, Galerie Frank Schlag, di-fr 14-19, sa 11-16 Uhr, Meisenburgstr. 173

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