Freitag, 30. März 2012

Zwei neue Ausstellungen

sind bei Ricarda Fox zu sehen. Klassische, abstrahierte Malerei mit Blumenmotiven von Andrea Küster in Mülheim und ein frischer Genremix mit expressiven Comiceinschlägen des Folkwang Absolventen Thomas Bauer in Essen.

Andrea Küster Les fleurs en scène


Wie die Umrisszeichnung aus einem Malbuch, so flächig sehen Küsters erste Skizzen aus, bevor sie sich füllen mit Volumen und Raum. Vom Gegenstand über den Umriss zur plastischen Malerei von floralen Motiven, also vom Sehen über die Fläche zum Raum entwickeln sich die Blüten der Düsseldorfer Künstlerin. Ein Arbeitsprozess ist dies, der bei vielen anders beginnt, nämlich beim Erfassen plastischer Details und mündet in flächiger Abstraktion.

Andrea Küster wählt ihren eigenen Weg, weil sie das “Wesen³, also die spezifische Aura einer Pflanze erfasst, sie beim Malen verdichtet, aufbaut und leicht abstrahiert. Bis die Pflanzen zuguterletzt auf der Leinwand stehen, ebenso zart und transparent wie fließend und fest. Ein Hauch des Vergehens strahlen sie aus, dennoch wirken sie verführerisch.

Frühjahrsblumen sind es nicht gerade, sondern symbolschwere Blüten und Pflanzenkelche, die Düsseldorfer Künstlerin in großen Formaten und raumgreifenden Anschnitten auf die Leinwand bannt. Mit transparenter Leichtigkeit verleiht sie “dem Flüchtigen der Natur Dauer und Allgemeingültigkeit³ in konzentrierten Farben und symbolschweren Motiven. Lilien, Anturien, Rosen malt sie, Symbole des Lebens und die des Todes in ihrer schön schweren Sinnlichkeit.

bis 21.4., Galerie Fox, Mülheim, Liverpoolstr. 15, di-fr 15-19, sa12-16 u.n.V., 0208/3787734



Um Kopf und Kragen



Galeristen und Sammler, auch Firmen und Mediengestalter könnten sich bald um ihn reißen. Denn die Bilder des frisch gekürten Kommunikationsdesigners Thomas Bauer sind innovativ, modern und auf fein ausgetüftelte Weise erfinderisch. Sie lassen Luft für individuelle Eingriffe, je nach Raumgröße, Geschmack und Geldbeutel des Kunden.

Aus 15 Grundmodulen, vertauschbare Leinwände frei nach dem Lego- oder Memory-Prinzip, baut Bauer flexible Bilderketten auf. Bis zu 100 Varianten sind möglich, je nachdem, ob er einzelne Bilder zu zwei-, drei- oder gar zehnteiligen Folgen kombiniert. Jede Bilfläche ist so komponiert, dass die Kombination eines Grundmoduls mit anderen ein neues Bild mit neuer Bedeutung kreiert. So flexibel hat man Kunst noch nie gesehen, eine freie Erzählung in non linearer Dramaturgie, voller Gedankensprünge und offen für freie Assoziation, ohne dass der Bildinhalt ins Beliebige abdriftet. Denn Bauer weiß, welche Motive er kombiniert. Es sind solche, die ihn “anspringen³: Dynamische urbane Motive aus dem Internet, Gesichter, Tier- und Figurfragmente. Keine fertigen Ideen vermalt er, sondern einen multimedialen Stil- und Motivmix, frei zusammengestellt aus dem Supermarkt postmoderner Möglichkeiten. Ebenso frei ist die Malweise: expressiv, grafisch linear, plastisch und kubisch, je nachdem, wie sich Architekturen mit Maschinen, Schlangenköpfe und anthropomorphe Formen vermischen. Medusen der griechische Mythologie tauchen auf, Mangas und europäische Malerei. Das alles ist hier kein Widerspruch, sondern ein spannungsreiches Gemisch aus einem dynamischen Ideenpool.

In der Wirtschaft hat man das Prinzip flexibler Einheiten schon seit langem entdeckt. Doch während es in der Warenproduktion der beschleunigten Umsatzsteigerung dient, ist es in Bauers Kunst umgekehrt. Je mehr Module er baut, desto langsamer funktioniert die Malerei, da die Komposition ausgefeilt und durchdacht sein will. Denn sonst klemmt das Konzept und eine flexibles Bild verliert sich in Sinlosigkeit.

Bis 23.4.2012, K29, Ricarda Fox, Kreuzeskirchstraße 29, sa 14-19 Uhr u.n.V., 0208-3787734, www.thomasbauer.biz

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