Dienstag, 10. April 2012

THE RETURN OF THE TIME


Not-A-Maddonna
Eine Madonna, deren Züge aus dem Renaissance-Repertoire eines  Raffael stammen könnten: Ebenmäßig und schön ist das lockengerahmte Gesicht, eine hohe Stirn, große Augen, ein sinnlicher Mund. Rot schimmernde Wangen kontrastieren zur Blässe des Teints, das edle Kleid könnte auch aus dieser Epoche sein.

Doch hier hören kunstgeschichtliche Vergleiche auf, auch wenn der Betrachter des Bildes auf einer Armbinde den Namen Raphael liest. High Heels und zerrissene Netzstrümpfe, die die Schöne lässig trägt, sowie eine blaue Plastiktüte, in der Menschen ekstatische Bewegungen aufführen, verweisen auf einen eher fiktiven Bildkontext.

Das Ganze ist perfekt und fotografisch genau vermalt. In narrativ opulenten, mit kunsthistorischen Zitaten aufgeladenen Bildern mixt der Maler verschiedene Stile. Lineare Strukturen und wie gesprüht anmutende Bildpartien interagieren mit freien Mustern und Dripping-Spuren, manchmal scheint ein individueller Pinselduktus auf.

“Not-A-Maddonna³! Was man für einen Schreibfehler halten mag, ist der Titel des Bildes und gehört ins Programm des in Griechenland geborenen und in Kunstkreisen bekannten Malers Jannis Markopoulos. In Museen und Galerien international präsent gibt der in Berlin lebende Künstler sein Essener Debut in der Galerie Klose mit einer umfangreichen Einzelausstellung. Aktuelle Arbeiten der letzten Jahre sind zu sehen und solche, die er dem großen Gegenwarts- und einzigen Portraitmaler der Queen of England widmet, dem 2011 verstorbenen Lucian Freud. Doch auch Rembrandt, Picasso, Warhol, Bacon, Beuys oder Bansky tauchen als Motive in Markopoulos¹ Bildern auf.

“The Return of the Time³, so der Ausstellungstitel, ist entstanden aus Respekt vor großen Künstlern und ihrer Geschichte und aus der Neugier zu erkunden, wie diese Künstler oder ihre Werke heute wirken könnten. Bei den hier ausgestellten Gemälden handelt es sich um absurde Bildsetzungen und die Untersuchung der Grenzziehung zwischen Fiktion und Wirklichkeit.

“Art transparencies³ nennt der Künstler selbst seine Kunst und beschreibt damit die “Transfluenz der Materialien³, die der alten und jüngeren Meister mit ihren Motiven und Themen.

Bis 3.5.2012, Galerie Klose, Rüttenscheider Str. 221, mo-fr 10-18.30, sa 10-15 Uhr

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