Dienstag, 15. Mai 2012

Balance... Neue Arbeiten von Laurentz Thurn


Laurentz Thurn stellt neue Ölbilder vor, die ersten seit langem, die nicht in seiner Wahlheimat New York entstanden sind. Der Tonteich Wohltorf bei Hamburg, der Geburtsstadt des Künstlers, dient als Folie für Beobachtungen, die Thurn aus dem Alltagsbereich in allgemeine Aussagen über Kunst, die Wahrnehmung und das soziale Leben in Deutschland transformiert.
 
“Balance³ heißt die Ausstellung und die brauchen sie auch - die Freibadbesucher, die ein im Wasser schwimmendes Holzkreuz erklimmen und Stand suchen auf schmalen, schwankenden, moosglatten Rundbalken. Männer sieht man, die kurz in kraftstrotzender Pose stehen, dann taumeln und fallen, Väter, die ihren Söhnen Vorbild sein wollen, Jugendliche, die sich im Wettkampf erproben, und ein Paar, das sich in fragilem Gleichgewicht aneinander krallt.
 
Zufällige Freizeitszenen sind es, die Thurn registriert, um sie per Zeichnung und im Medium expressiver Acrylmalerei zu bearbeiten. Doch so spontan diese ausdrucksstarke Malweise mit den gestisch hingeworfenen Pinselschlägen wirken mag, so präzise sind die anatomischen Proportions- und Bewegungsstudien, auf denen sie basiert. Klassisch wirkende Skizzen und Studien, Blätter, die der Künstler sonst niemals zeigt, sind in dieser Ausstellung erstmals zu sehen.
 
Heraus gearbeitet werden soziale Beziehungsmuster: dominante, symmetrische und solche, die von wechselseitiger Unterstützung geprägt sind. Ein Mann, dicklich und beileibe nicht mehr taufrisch, dirigiert seinen Sohn, und zwar so, dass der Kleine niemals auf dem schwankenden Balken und später der Bühne des Lebens Balance finden wird. Ein anderer Vater baut seinen Sprösslingen behutsam Brücken. “Ich bin mir sicher, die beiden werden sich um ihren Vater kümmern, wenn er eines Tages, alt und schwach, die eigene Balance nicht mehr halten kann.³  
 
Balance, die Frage der Relationen, die Tatsche “dass das Einzelne für das Ganze, das Ganze für das Einzelne steht³, begreift Thurn als grundlegendes Element der Natur, des menschlichen Lebens, aber auch als philosophisch  wahrnehmungstheoretisches Konzept. In vielen Bildern baut er Leerstellen ein, um den Betrachter in die Pflicht des Denkens zu nehmen, damit er logisch  ergänzt, was fehlt. Die Figurative da, wo der Maler abstrahiert, die Konkretisierung dort, wo der Künstler Plakatives andeutet oder die optische Mischung der Farben, wenn sie nicht auf der Leinwand stehen.

Bis 23.06, Galerie Fox, Mühlheim, di-fr 15-19, sa 12-16 Uhr, vom 9.-25.5.
nur n.V

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