Samstag, 5. Mai 2012

Die Wunderkammer von Martin Schwenk

Parallel zur Ausstellung im Museum Haus Lange ( bis 19.8. in Krefeld) stellt Torsten Obrist erstmalig Martin Schwenk mit Aquarellen und Skulpturen vor, eine Ausstellung, die in ihrer Reduktion und undefinierbaren Gegenständlichkeit fast experimentell wirkt im Rahmen der hiesigen Galerienlandschaft. "Commander Mulroy" lautet der Titel der Schau, die wegen der großen Nachfrage um eine Woche verlängert ist.

Zentral sind zwei Skulpturen, die sich winden wie Pflanzen und wuchern wie botanische Mutationen, unregelmäßig und gegen die Schwerkraft im Raum. Eine Kaktee aus Beton mag die eine sein, die andere ein filigranes Gewächs mit Flugsaurierflügeln. Von eigensinniger Form lädt das kunstfremde Material zum Berühren ein. Gewebematten gerupft und lackiert, PU-Schaum, Polyester gegossen, Plexiglas, Stahlrohr, Komponentenkleber, Martin Schwenk fügt zusammen, was im Medium der Skulptur eher nicht funktioniert. Doch in des Künstlers Mikrokosmos scheint jedes erdfremde Objekt zum Abheben bereit.

Ähnlich geben die botanisch anmutenden Bildzeichnungen. Halb Zwiebel, halb Pflanze wachsen sie wie florale Überflieger aus Farbe und Linie heraus, und zwar so dass man den Charakter der wundersamen Objekte eindeutig nicht mehr definieren kann. Könnte man es, wären sie ein Abbild der Natur, alles andere als das, was Schwenk intendiert. Jedes Objekt stammt aus der Phantasie oder aus einem seiner Wunderkabinette, wo er skurrile Raritäten verwahrt, um sich von ihnen inspirieren zu lassen und sie zu zeichnen. So weit, so lange, so intensiv bis sich das Initialobjekt auflöst und im künstlerischen Prozess verschwindet. Auf dass man weder den Ursprung noch die Entwicklungsrichtung sicher bestimmen kann.

Der Betrachter mag weiterspinnen, was Schwenk begann, eine figurative Festlegung würde den Rahmen seiner Kunst sprengen. Denn dann wäre sie rein ästhetisch reizvoll, doch für den Künstler würde sie uninteressant.

Publikation im Kerberverlag mit Texten von Martin Hentschel, Annelie Pohlen und Heinz-Norbert Jocks.

Martin Schwenk: Commander Mulroy, bis 19. Mai 2012, Galerie Obrist, Kahrstraße 59, 45128 Essen Öffnungszeiten Mi-Fr 12-18 Uhr, Sa 10-16 Uhr

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