Dienstag, 29. Mai 2012

Martin Herler im Kunstraum

Es ist die sechste Einzelausstellung, die Colmar Schulte-Goltz seit 2002 mit Martin Herler zeigt, eine Schau, die zum 10-jährigen Jubiläum der Galerie die 10-jährige Zusammenarbeit des Galeristen mit dem Künstler präsentiert. Und es ist eine Schau, die neben der konsequenten Entwicklung den Reifeprozess eines gerade 40-jährigen Künstlers dokumentiert, in- haltlich und formal sowie in der Ausstellungs- und Preisperformance. Von der Neuentdeckung des Meister- schülers von Ben Willikens mit Akademieabschluss in Düsseldorf 2003 zum internationalen Künstler avan- ciert, kassierte Herler eine Menge von Kunstpreisen, verdienterweise, zumal sich heute mit seiner Kunst auch gut verdienen lässt. Noch nicht im utopisch ho- hen Preissegment arriviert, sind seine großformati- gen Ölbilder noch erschwinglich, und erst recht die Editionen, die er produziert. Drucke auf Leinwand werden mit typischen Motiven übermalt, so dass Herler aus dem breitenwirksamen Massenmedium Unikate, also demokratische Kunst zu Einsteigerkursen generiert.
 
In der neuen Werkgruppe mit dynamischen Bildern ge- waltloser und gewaltsamer Demonstrationen wendet sich Herler dem politischen Frühling zu, nicht nur in den arabischen Ländern, sondern auch in Deutschland nach der Wiedervereinigung. Politische Kundgebungen in Berlin, Leipzig, Dresden, Kairo, Casablanca und Homs zeigen Demonstranten im Kampf um Gerechtigkeit, Frei- heit und Demokratie, im Kampf darum, diese Rechte als globalisierte Menschenrechte zu etablieren. Die Be- wegung der Massen, der Widerstand, das friedliche Feiern des Fortschritts werden thematisiert. 
 
Gleichzeitig reduziert Herler die figurative Lesbar- keit der Bilder. Nicht nur durch das Aussparen des Schauplatzes, die werden allenfalls in Bildtiteln erklärend beigefügt, sondern auch durch horizontale Streifen, Sichtblenden, die das Fest der Farbe und die Freiheit der Wahrnehmung zelebrieren. Selten hat er die vielfach übereinander gelegten Farben zu sol- cher Brillianz und Tiefe geführt, selten den Bild- gegenstand so weit abstrahiert. Aus der Nähe nicht les- bar gebietet die Malweise Distanz. Doch auch aus der Entfernung bleibt das Bild nur verschwommen lesbar. Konturen gewinnt es im Kopf des Betrachters, der die Leerstellen auf- und zusammenbaut. 
 
Bis 7.7., kunst-raum Schulte-Goltz+Noelte, Rüttenscheider Str. 56, Di-Fr
12-19, Sa 10 ­ 16 Uhr u.n.V.

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