Samstag, 23. Juni 2012

Farbige Objekte mit dem Rücken zur Wand

Oberkante Unterkante streng und symmetriebewusst auf Augenhöhe an der Wand? Eine solche Hängung ihrer Objekte vermeidet Melanie Balsam-Parasole konsequent. Mit einem Augenzwinkern, wie es scheint. Denn die Plastiken aus Pappe, geometrisch in der Form und klein im Format suchen sich ihren Platz gegen alle Regeln, die man von Ausstellungen abstrakter Kunst anderswo kennt. 
“Meine Kisten³, so nennt die Essener Künstlerin ihre Objekte ein wenig ironisch in salopper Anspielung auf das banale Material, aus dem sie hergestellt sind. Pappstreifen baut sie zu kantigen Kästchen zusammen, Quader, Kuben, Tetraeder, Rhomben, plastische Körper kreiert sie, die in ihrer Banalität dem hehren Anspruch hoher Konventionskunst zu spotten scheinen. Dauerhaftigkeit des Materials? Erhabenheit der plastischen Erscheinung? Repräsentative Ausstrahlung?

Fehlanzeige all das, eher sucht man diese zartfarbigen Objekte im Raum. Ein kleines ist aus der Mitte an den Rand der Wand gerutscht, ein anderes behauptet sich  neben dem Sicherungskasten, das nächste gar zwischen Lichtschaltern. Keines der Ausstellungsstücke wirkt im herkömmlichen Sinne prominent, vielmehr hängen sie “mit dem Rücken zur Wand³ und verweigern so einen dreidimensionalen Raumbezug.

Jede “Kiste³ erfordert einen eigenen Blickwinkel und funktioniert aus dem von der Künstlerin vorgegebenen, aber auch aus zahlreichen anderen. Und jede Kiste kann man leicht einpacken, mitnehmen, aufhängen. Kaum vorstellbar ist, dass sich diese Kunst an der neuen Umgebung reibt, kaum vorstellbar auch, dass sie sich darin verliert.

Die Imposanz dieser Objekte besteht in ihrer Unabhängigkeit. Sie brauchen nicht viel und bauen trotzdem eine unmissverständliche Form- und Farbaura auf. Das Material, ein Verpackungs- und Wegwerf- produkt, büßt seine Banalität dadurch ein, dass es zum Träger einer malerischen Aussage wird.

Minutiös in Öl bearbeitet Balsam-Parasole die untypischen Bildflächen. Vibrierende Farbverläufe stehen auf der Haut des Objekts und zufällig entstandene Unebenheiten, die auf stumpfen Oberflächen zusammen mit Spachtel-, Tropf- und Pinselspuren ein kontrolliertes Eigenleben führen. Und als Nachklang farbige Lichtschatten im Raum hinterlassen.

Bis 6.6.2012, Galerie Schütte, Essen-Kettwig, Hauptstraße 4, Di-Fr 14.30-19,
sa 11-14 Uhr

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