Samstag, 23. Juni 2012

Flamingo, Devil, Mountain Goat

New York, 1067 Metropolitan Avenue: Matratzen türmen sich, Spiralfedern springen heraus, Hausrat versperrt sperrig den Weg. Detailliert in Farbe und Form, haptisch greifbar auf einem 2mal3-Meter Format sieht der Betrachter im Ausschnitt solcherlei Wegwerfszenen übergroß. Und er fragt sich, wann der Sperrmüll kommt, um das Chaos zu entsorgen. Vertieft man sich jedoch näher in das Bild, nehmen die weggeworfenen Dinge einen anderen Charakter an. Sie stellen Fragen nach ihren ehemaligen Nutzern und der Zukunft der Dinge, wenn der Mensch sie nicht mehr braucht. 

Zerschlissene Matratzen, zerknickte Regenschirme, rostige Schilder mit sinnlosen Inschriften, schäbige Wände, Schalter, Abwasserdeckel, Katrin Heichel zoomt heran, was man nicht gern sieht und erst recht nicht mehr braucht. Sie bläst es auf im Detail und lädt die verworfenen Dinge mit neuem Eigenleben und fast magischer Bedeutung auf. 

Malte die Leipziger Künstlerin früher surreal wirkende Selbstportraits, sprechen diese Bilder von der magischen Präsenz der Dinge in einer vom Menschen abgelegten Gegenstandswelt. Zerstörungsspuren verweisen auf des Menschen Hand, auf seine Achtlosigkeit und mangelnde Bewusstheit von dem, was er tut.
Exzentriker und surreal mutierte Kreaturen, Menschen und Tiere mit todtraurigem Blick, mit Hörnern, Geweih und gläsernen Tränen, sie blicken und starren uns an, durch uns hindurch, an uns vorbei. Es ist ein so trost- und regloser Blick, dass man ihn kaum aushalten kann. Stilisierte Pflanzen umschlingen die einsame Gestalt, manche der Portraits erscheinen ganz vor kargem Grund. Wären da nicht Schriftzüge, die den Bildinhalt übertreiben, karikieren, verdoppeln oder auch zurücknehmen, auch der Betrachter bräche in Tränen aus. 

So aber sind die seelisch Geschundenen als Figuren mit real biografischem Hintergrund lesbar. Denn der Künstler Fred Stonehouse aus Wisconsin stellt Kindheitssituationen und fiktive Familienkonstellationen vor. “Eltern, die nie die Beherrschung verloren, sowie Geschwister, die stets bereitwillig das Spielzeug mit mir teilten³. Wollen Sie nicht auch eine Familie haben, die Sie sich selbst klonen, deren “rauen Kanten geglättet und eigentümliche Spleens³ frei hinzugefügt sind? “Teil einer Familie zu sein ist Himmel und Hölle zugleich, und dadurch bleibt das Leben zum Glück interessant.³ Haarfein auf Holz friert er ironisch bis sarkastisch Situationen ein, die zu traurigen und auch optimistischen Geschichten aus- und weitergesponnen werden können. 

Bis 22.6., Galerie Frank Schlag, Meisenburgstraße 173, di-fr 14-19 Uhr, sa 11-16 Uhr u.n.V

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