Samstag, 7. Juli 2012

Elefanten!


Diese Dickhäuter waren bisher nicht gerade ein gängiges Motiv der Malerei, nicht dekorativ, nicht schön, nicht erhaben genug für den auf Repräsentation abzielenden Ausstellungsbetrieb. Dass dies Vorurteile und Leerstellen sind im Kontext moderner Kunst, zeigt die Schau “Elephant¹s Memory³ in der Galerie Klose. Hier wird deutlich, dass der Dickhäuter als Kunstmotiv duchaus Qualitäten beweist, wenn man ihn nur richtig in Szene setzt.

Darauf hat sich der Essener Künstler Ralf Koenemann spezialisiert mit wandfüllenden Tableaus und kleinen Formaten. In Ausschnitten und kraftvoller Malerei präsentiert er sie, wobei Malerei den Sachverhalt nicht zureichend trifft. Vielmehr sind es Farbschüttungen und brodelnde chemische Reaktionen, die den Gegenstand spürbar und greifbar ins Bild treten lassen. Mit Teer, Asche, Kohleextrakten, Öl, Terpentin und Lack bearbeitet Koenemann seine
Bilder, erhitzt sie mit Bunsenbrennern, schüttet weitere Farbmaterialien zur Verdünnung hinzu, löst sie auf, glättet und schmirgelt, wo Grate zu erhaben auf der Leinwand stehen.

Als erstes Resultat dieses nicht nur zufalls-, sondern ebenso durch Erfahrung und Materialkenntnis bestimmten Arbeitsgangs entstehen Strukturen, die der haptischen Qualität von Elefantenhaut entsprechen und die im weiteren künstlerischen  Prozess Formen annehmen wie Ohren, Augen oder Rüssel. Wandfüllend groß eröffnen sich im Ausschnitt Einblicke in die Seele des domestizierten Tieres und die des Menschen, der es unterwirft. Der sich einer Kultur verschreibt, in der es um die Unterwerfung  archaischer Gewalten geht, der dem Menschen fremden Natur und der eigenen.

Koenemanns Kunst deckt Strukturen auf: menschliche, geologische, archäologische, fossile und künstlerische. Konsequent arbeitet er seriell seine Motive ab: archaische Köpfe des Menschen, majestätische Tiere wie Adler, Elefanten, Gorillas, um dann zu den Sternenbildern vorzudringen: den Galaxien, Sternen- und Milchstraßen, in denen Farberuptionen geologische und auch geografische Formungen annehmen: die von der Entstehung der Erde und von Kontinenten vielleicht. Einige dieser Bilder spiegeln geografische Gegebenheiten wider, manche sind fiktiv, andere eine Kombination aus beidem.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, davon 50 Exemplare in einer handübermalten Sonderedition.

Bis 27. August, Galerie Klose, Rüttenscheider Str. 221, mo-fr 10-18.30, sa
10-15 Uhr

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