Samstag, 7. Juli 2012

Konvent

Neue Skulpturen von Hilke Turré werden in der Galerie Fox gezeigt in einer ebenso komprimierten wie reduzierten Schau. Leicht und offen wirkt die Ausstellung ohne jede Andeutung eines Zuviel und dennoch werden viele Werkgruppen exemplarisch präsentiert. 
 
Im Entrée hängen die “kleinen Tanzenden³ in Zweier-, Dreier-, später zu 5er und 7er Gruppen formiert. Die Stelen und Reliefs schließen sich an, abstrahierte Köpfe aus Stahlguss, die “ großen Stehenden³, die Kantigen und im Garten die flachen scheibenartig gebauten Eisenskulpturen. Bronze ist der eine, farbig gemusterter Stoff der andere Werkstoff. In Knochenleim wird er getränkt, mit Lehm ummantelt, gerollt, geschliffen, gehärtet, kompakt komprimiert aus dem für Plastiken untypischen Material. 
 
Schemenhaft abstrahiert sind Körperausdruck und Haltung der Figuren, die menschliche Befindlichkeiten formulieren. In Anlehnung vielleicht oder frei nach Rodin, der einen empörten Besucher fragte, wozu der Künstler Kopf und Mimik darstellen solle, wenn doch jeder Muskel, jedes einzelne Teil, der Pars pro Toto das Innere eines Menschen nach außen kehrt.

Unter Verzicht auf figurative Details sind die Arbeiten Hilke Turrés von innen nach außen gebaut. An mehreren Figuren gleichzeitig arbeitend, kann sie, bedingt durch lange Trockenzeiten, täglich nur wenige Lagen auftragen: einen Hals, eine Schulter- oder Hüftpartie oder die Andeutung von Extremitäten, die niemals ausdefiniert sind. Der Abstraktionsgrad kristallisiert sich allmählich heraus und verlangt hohe Konzentration im Arbeitsprozess, das “Hineingehen in die Stimmung, den Ausdruck der Figur³. Nur dann kann die Plastik eine über das Individuelle hinausweisende allgemeine Aura entfalten.

Viele der Stoffe, die Turré verarbeitet, bringt sie von Reisen mit, andere ersteht sie im Antiquitäten- oder Designergeschäft, den nächsten findet sie auf dem Flohmarkt, dem Basar oder Kaufhauswühltisch. So sammelt sie ihr Material, langsam, bedächtig oder blitzschnell. Inspiration findet sie unterwegs beim Eintauchen in fremde Kulturen in Indien, Afrika oder arabischen Ländern. Sie braucht “dieses Entweichen aus dem europäischen Alltag³, um den Kopf zu füllen mit Erinnerungen, die in ihr Werk einfließen.

Bis 31.08, Galerie Fox, Liverpoolstraße 15, Mülheim, di-fr 15-19, sa 12-16
Uhr u.n.V.

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