Dienstag, 14. August 2012

Scriptorium


Scriptorium, Kunstwerke und Antiquitäten zum Thema Schrift und Schreiben hat Colmar Schulte-Goltz in der Galerie Goltz in der Huyssenallee zusammengestellt. Es sind Kunstwerke aus dem Besitz des Galeristen, die er über Jahre zusammengetragen hat, um sie für diesen Zweck im Kontext aktueller Kunst aus seinem Programm zu präsentieren. Wie eine Wunderkammer mutet die Ausstellung an, in der sich vieles entdecken und lernen lässt. 

Eine Siegelsammlung aus Bronze und Messing aus den Jahren von 1380-1900 findet man da, darunter einen gotischer Reisesiegel des französischen Königshauses mit Bourbonenschild, Zepter und Marschallstab. Präsentiert in einem „Bureau plat“ aus Rosenholz im Louis XV-Stil mit Palisander und vergoldeten Bronzebeschlägen, einem Prunktisch von 1860, der in dieser Größe und erst recht für den Preis von 25.000 Euro im freien Handel kaum noch zu finden ist. 

Meisterstücke von Montblanc sind zu bewundern oder der Original Gummidruckstempel von Yoko Ono, mit dem sie für die Biennale Venedig 2002 „Imagine Peace“ als Kunstwerk gedruckt hat. Das kleinste Stück Gegen-  wartskunst stammt von Lucia Dellefant, eine Anstecknadel mit Brilliant und auch das größte Bild dieser Schau ist von ihr, in abstrahierten Formen mit der Forderung nach „Democracy Now“. 

Wundersame Verbindungen geht die Moderne mit kostbaren alten Sammlerstücken ein. So  Roland Schmitz’ zerknautschte Skulptur aus den aufeinander getürmten Buchstaben „OMAs“, die hier jedoch eher nicht auf Großmütter sondern einen zu hinterfragenden wirt-  schaftswissenschaftlichen Fachterminus anspielen. Neben einem Paar sehr seltener Konsoltische aus Lindenholz geschnitzt mit original antiker Siena-Marmorplatte, einem Empiresekretär und den originalen Ausstellungsplakaten von Miro ergeben sich neue Fragestellungen nach der Wirkung von Ökonomie und Kunst. So auch bei Angela Schillings Flugformation von Bombern mit dem Titel „Writing on the wall“ für gerade 300 Euro über einem kostbaren Schrägklappensekretär. 

Große Beachtung verdienen auch Wolfgang Klebers  schon in mehrfacher Auflage verkauften und immer noch günstigen Fotografien von amerikanischen Basketball- kappen, in denen sich nicht nur sozialgeschichtliche Details, sondern auch Spiegelungen von  New Yorker Cabs, also gelben Taxis entdecken lassen. Oder die unendlich feine Ölmalerei eines  David Uessen, Alpay Efe, James Lasen, Frederic Spreckelmeyer und vielen anderen Künstlern dieser beachtenswerten Schau.

Bis 1.9., Galerie Goltz an der Philharmonie, Huyssenallee 85, Do-Fr 12-19, Sa 10-16 Uhr

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