Samstag, 22. September 2012

Apokal

So schön kann Apokalypse sein? Apokal“, der Ausstellungstitel, ruft jedenfalls andere Erwartungen auf als diese poetisch anmutenden Zeichnungen es auf den ersten Blick tun. 
Zart und transparent schweben sie vor der nackten Wand, lichtdurchlässige, farbige Blätter, scheinbar beiläufig mit Stecknadeln an die Wand gepinnt. Linien und Farben, Tusche und Aquarell tasten sich durch widerständiges Material und ziehen den Blick des Betrachters an. Unwillkürlich steht er davor, um aus der Nähe zu ertasten und lesen, was aus der Entfernung eigenwillig dekorativ aussieht.

Den Malgrund hat ein Physiotherapeut für medizinische Zwecke kreiert. Dünne Seide in Wachs getaucht, für die Essener Künstlerin war es eine künstlerische Offenbarung. Leicht  uneben in der Oberflächenstruktur lässt er sich für fein pigmentierte Tuschezeichnungen und das Gravieren filigraner Linien ebenso nutzen, wie für Verwischungen oder die Integration von Zufallsspuren, die aus Materialabstoßungen herrühren. Da diese Farbhaut, so fühlt es sich an, außerdem ein zügiges Arbeiten erlaubt, können Assoziationen und Gedankenketten unmittelbar umgesetzt werden. Phantasmagorien und phantastisch abgründige Momente entstehen da und diese kleinen Blätter sind voll davon, ohne jemals überladen zu sein. 

Biblische Geschichten und religiöse Erzählungen werden isoliert und zu fremdartigen Bildern voller Lust und Leben, Angst, Passion und Schmerz kombiniert.  Sprach- und Bildsymbole deuten neue Kontexte an, deren Fixierung jedoch unmittelbar zurückgenommen wird. 

Christliches, Byzantinisches, Islamisches, Islamistisches, kulturell Entferntes und Verwandtes zerfallen wie in einem Kaleidoskop und organisieren sich neu.  Lökenhoffs Fabulierkunst ist grenzenlos. Vögel, Fische, Pflanzen, Engel, Misch- und Fabelwesen, Mensch und Tier, fremde Architekturen und krakenartige Deformierungen tauchen auf; Masken enthüllen Verborgenes, Verhüllungen verbergen, wovor man sich fürchtet. 

Es lohnt sich, einzutauchen in diese Bilder und festgefügte Horizonte zu verrücken! 

Ein Film von Lökenhoff wurde am 14.9 präsentiert, „Lemonarien – Gedichte über das blühende Leben“ werden am 21.9. präsentiert und der Katalog zur Ausstellung erscheint am 2.Oktober. 

Bis 3.11., Galerie Schütte, Hauptstraße 4, Essen-Kettwig, Di-Fr 14.30-19, Sa 11-14 Uhr    

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