Freitag, 14. September 2012

Kunst aus Afrika

„Wohl fühlen soll man sich in den Räumen der Kunst“! Mit einem rauschenden Sommerfest zum Saisonbeginn eröffnet Frank Schlag eine opulente Schau. „Aus Afrika“, so der Ausstellungstitel, kommen 14 zeitgenössische Positionen aus Malerei und Skulptur, die der Galerist im Dialog mit ausgesuchten Stücken von „Stammeskunst“ präsentiert. Ein weiter Bogen wird so gespannt, regional, kulturell, historisch.
Neuentdeckungen wie Didier Ahasdi mit Recyclingkunst sind dabei und alt Bekannte wie der 90-jährige Documenta-Künstler Frédéric Bruly-Bourabé aus Abidjan mit zarten, abstrakten Zeichnungen. Oder die in London lebende Nigerianerin Sokari Douglas Camp, deren große, mit Blattgold  beschichtete Dame „Thabita“ nicht als Tempeltänzerin, sondern wie eine knorrige Schutzpatronin am Eingang des Kunsthauses wacht. 31.500 Euro kostet die raumhohe Aluminiumfigur. Mit dem stolzen Preis dokumentiert sie das Rennomee der Künstlerin und die Qualität dieser entdeckungsreichen Schau.

Mit langjähriger Erfahrung und treffsicherem Blick für ästhetisch formale Korrespondenzen hat Frank Schlag die fast 80 Objekte  zusammengestellt und eine spannende Sehreise durch Schwarzafrika kuratiert von Ost nach West bis in den Süden. Anders als im Folkwang Museum - hier dokumentieren Fotografie und Plakatkunst den kolonial gefärbten Blick auf den Kontinent - kommen bei Frank Schlag Malerei und Skulptur von Künstlerinnen und Künstlern mit afrikanischen Wurzeln zu Wort. Sieben leben immer noch dort, andere nach dem Studium wieder. Doch auch die nach Europa Emigrierten formulieren den engen Bezug zu ihrer angestammten Kultur, indem sie authentische Themen mit aktuellen Ausdrucksformen verbinden. Denn aus der Anschauung und bewussten Integration kultureller Differenzen entstehen - so wie hier - neue Perspektiven mit neuen interkulturellen Sichtweisen.
Nicht nur Manuela Sambo kennt das Leben mit und zwischen den Kulturen. In Angola geboren hat sie in Leipzig studiert, wohnt in Berlin und malt Bilder, die afrikanische Malerei mit europäischen Zitaten zu afroeuropäischen Frauenportraits verknüpft.

Afrikatypische Motive in Telefonkarten collagiert Rikki Wermega-Kwawu zu wandhohen Tableaus, während Chérie Samba Ängste rund um die Gesundheitsaufklärung formuliert, formal anknüpfend an Traditionen der Plakatkunst und Straßenmalerei. 

Geisterbeschwörung und Opferkult, Masken, Nagel- und Fetischfiguren dienten dem alltäglichen spirituellen Gebrauch. Eingestreut in diese Schau verdeutlichen sie Kontraste, aber auch die Anleihen der europäisch abstrakten Malerei auf ihrem Weg in die Moderne. 

Bis 26.09.2012, Galerie Schlag, Meisenburgstr. 173, Di-Fr 14-19, Sa 11-16 Uhr

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