Samstag, 1. September 2012

Mehr als reine Waschlappenkunst

Er ist jung, aufstrebend, dynamisch und obendrein kann er sehr gut malen: bunte, brilliante, schrill schräge Bilder, die selbstironisch und selbstbewusst eine Meisterschaft versprechen, die sich schon heute sehen lassen kann. Geschmeidig hat er es in die Schlagzeilen zahlloser Zeitungen und namhafter Illustrierten ge-  schafft, mit einer Idee, die unverkrampft und deshalb so zündend ist. Gaddafi, Hitler, Stalin, die Größen des Terrors, Portraits von Politikern und medialen Größen wie Dieter Bohlen, Che Guevara, Putin oder nun auch Angela Merkel hat er in Öl auf Waschlappen ge- bannt, sie alle zusammen an einen Wäschetrockner gehängt und so 2011 bei der Art Fair Köln für Furore gesorgt. Für 180 Euro zum Schnupper- und Einstiegs-  kurs. Etliche dieser Unportraitierbaren hat er nach-  produziert. Manche sind mittlerweile gerahmt und aufgestiegen in den Rang „hoher Kunst“.
Umso besser nun, dass Holger Kurt Jäger in einer eindrucksvollen Schau im Kunstraum zeigt, dass sein humorvolles Repertoire auch zu großen Ideen auf großformatigen Bildern taugt. Mit präzisen Oberflächen und einer glatt kühlen Ästhetik, die irgendwo zwischen Dali, Matthew Barney und den satirischen Absurditäten eines Martin Kippenberger angesiedelt ist, fügt er zusammen, was eigentlich nicht passt. Banales, Trau-  matisches, Individuelles und brisante politische Themen.

Angela Merkel, die „Zuckermutti der Nation“ hängt da als kleines, bescheidenes Aquarell, daneben er selbst in unheroischer Pose: als sportlicher Spanner, der die schlafende Diana belauscht. Schlafend oder im Bade? Hier weiß man das nicht, denn die Schöne verhüllt - anders als bei Rembrandt oder Böcklin - ihre Tätig-  keit,  dafür jedoch zeigt sie Strapse und Schoß. Den Rest verbirgt eine kantige Retrodekoration, die wahlweise einem U-Bahnhof oder einer Kaufhausetage entstammen könnte.

Dunkle Tonarten, sanftes Pastell, knallige Töne in Sprühtechnik und Ölmalerei. Der in Düsseldorf lebende Künstler beherrscht seine Klaviatur, auch wenn er nicht dort, sondern an der Freien Akademie der Bil-  denden Künste in Essen bei Stephan Schneider sein Meister-Diplom erworben hat. High and Low, Kitsch und Kunst, Mythos und Alltag, Holger Kurt Jäger mischt Grenzen auf in Schönheit und satirisch gebrochener Sinnlichkeit. 

Bis 22.9., Kunst-Raum, Rüttenscheider Straße 56, Di-Fr 12-19, Sa 10-16 Uhr

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