Dienstag, 25. September 2012

„Selbstbildnisse, Stilleben, Szenen“ von Volker Stelzmann bei Klaus Kiefer

Völlig irrwegig sei es anzunehmen, dass der Künstler sein Bild jemals kennt, antwortet Volker Stelzmann einem Besucher, der nach Erläuterungen zu dessen rätselhaften Gemälden fragt. Nicht unwillig antwortet er, sondern mit der festen Überzeugung, dass jede Erklärung des Malers die Freiheit des Betrachters und die des Bildes beschränkt.

Die Frage ist verständlich, die Antwort auch. Und so stehen die Rätsel, die diese Bilder aufgeben, im Raum. Häufig lösen sie Stau- nen, Fremdheit, Verwunderung aus. Staunen über die perfekte Technik des Farbauftrags, Befremden über die entrückte, manchmal schräge Figuren- und Motivkombination. Verwunderung hinterlässt eine altmeisterlich monumentalisierte Malweise, die die kühle Distanz der Neuen Sachlichkeit mit einer bisweilen ins Surreale gesteigerten realistischen Welt- und Gesellschaftssicht verbindet. Wie auf einer Bühne, als Standbild oder in Zeitlupe erfasst agieren Menschen in abgründigen Situationen und ungewöhnlichen Konstellationen oder sie sind in kleine, absurde Katastrophen verstrickt.

Der Körper in seiner plastisch betonten, hyperrealistisch ungeschönten Darstellung ist Dreh- und Angelpunkt in Stelzmanns Werk. Er ist „Ausdrucks- und Leidensträger“, dient als Folie für die Verstrickungen des Individuums in aberwitzigen Salon- und Gesellschaftsszenen und düsteren Ateliers, in „konspirativen Künstlertreffen“ oder zeichenhaften, ins Allgemeingültige verweisenden Stillleben.

Den „Karneval des Lebens“ beobachtet Volker Stelzmann distanziert, ironisch, doch  „durchaus mit Leidenschaft..., denn sonst würde er ihn nicht malen. Es geht ihm um den Menschen, gespiegelt in seinem Tun und Treiben“, in seiner Liebe, Lust und Narretei, seiner Entblößung, Melancholie und Einsamkeit.

Dass es große Bilder sind, weiß jeder, der Stelzmann und seine Arbeiten kennt. Geboren 1940 in Dresden hat er zunächst Feinmechaniker gelernt und 1969 die „Hochschule für Grafik und Design in Leipzig“ absolviert. Er erhielt zahlreiche, renommierte Preise, so 1983 den Nationalpreis der DDR für Kunst und Literatur, übte Gastprofessuren u.a. an der Städelschule und der HdK Berlin aus. Seit 86 wohnt er in Berlin. 
 
bis 10. 11. 2012 bei Klaus Kiefer, Rüttenscheider Straße 56, Di-Fr 11-18.30, Sa 10-14 Uhr

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