Mittwoch, 10. Oktober 2012

Die Konzentrierung von Farbe und Form im Raum

Der afrikanischen Kraft folgt Leichtigkeit, dem starken Ausdruck der Form eine frei schwingende Energie, die Räume durchflutet. Nach der „Kunst aus Afrika“ könnte diese Ausstellung von Abraham David Christian und Chen Ruo Bing nicht unterschiedlicher sein. Figuration oder Abstraktion,Minimalistisches, Frank Schlag weiß die Bandbreite seiner unterschiedlichen Positionen meisterhaft zu platzieren.

Zwei prominente Künstler führt er zum Dialog, der das Zusammenwirken von Malerei und Skulptur in ausgewogener Beschränkung auf Wesentliches zeigt. Nichts ist zu viel und wenig mehr als genug, um den Reichtum der Reduktion mit dieser Ausstellung zu belegen.

Der bekannte deutsche Bildhauer Abraham David Christian, geb.1952, und Chen Ruo Bing, geb. 1977 in China, kennen einander und den Galeristen seit langem. So wuchs der Gedanke, aktuelle Arbeiten, Skulptur und Malerei gemeinsam zu zeigen. Und da beide Künstler sich mit dem Raum befassen, wirkt das geräumige Galeriehaus anders als je zuvor: Leer und dennoch gefüllt, als stünde gebündelte Energie mittendrin und zwischen den Werken. Eine konzentrierte Atmosphäre von Ruhe und Bewegung entsteht, von Veränderung und Schwingung im Raum - mit jedem Lichteinfall, mit jeder Bewegung vor und zwischen den Werken. Jedes Exponat konzentriert seine Farbe und Form, kommuniziert mit dem anderen und mit dem Betrachter.

Kugeln, Halbkugeln, kugelartige Scheiben und stumpfe Kegel lässt Christian zu Gebilden wachsen, die in schlechtem Schwarzweiß reproduziert aussehen können wie schlichte Muster für Geländer oder Kinderspielzeug. Ein wenig asymmetrisch, ein wenig gegen die Regelhaftigkeit der Form gebaut. Als Skulptur aus Stahl mit graublau samtiger Patina lädt jedes Objekt zum Berühren und Umkreisen ein, sofern der Betrachter ein Faible für Einfaches hat. Dann nämlich kann er sich nicht satt sehen an dem formalen Reichtum, den es im Raum produziert.
Chen Ruo Bing malt Farbkörper. Nicht wie sein Lehrer Graubner auf dreidimensionalen Leinwänden, sondern so, als habe er seinen Lehrer wörtlich genommen und auf den Kopf gestellt. Oval gerundete Formen auf monochromem Grund wirken wie Fenster in die Unendlichkeit. In feinsten Abstufungen dosiert der Künstler hauchdünne Farbschichten, so dass sie Spannung und optische Täuschungen erzeugen, aus der Fläche zu springen scheinen und wirken wie schwingende Farbkörper.


Ein Katalog ist erschienen, so präzise wie die Schau und das Werk der Künstler und ohne einen Satz Text. Der erübrigt sich auch, wenn man die Ausstellung gesehen hat.

 Bis 16.11.2012, Galerie Schlag, Meisenburgstr. 173, di.-fr. 14-19, sa 11-16 Uhr  
     

Wenn man Frank Schlag in der nächsten Woche nicht persönlich trifft, liegt es daran, dass er in Peking die Fortsetzung seiner  in Dortmund gerade beendeten  Ausstellung organisiert. 8 deutsche und 8 chinesische Künstler mit individuellen Konzepten von Abstraktion in der Malerei werden im Namen der Caspar Ludwig Opländer Stiftung der Wilo Werke gezeigt.

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