Mittwoch, 10. Oktober 2012

from death valley to the top

Burkhard Driest ist ein Typ! Natürlich nicht „wie Goya“, wie das lokale Feuilleton in munterer Übertreibung schrieb, aber ein Promi, auf den nicht nur die Presse fliegt! Schon Romy Schneider bekannte in einer Talkshow: „Sie gefallen mir, Sie gefallen mir sehr!“ Das war 1974 bei Dietmar Schönherr. Man sprach über den Polit-Rebellen, den „Ungezogenen“, so seine Selbstaussage, den Mann in der schwarzen Lederjacke, der nicht nur Frauen, sondern auch die Öffentlichkeit mit seinem erotischen Rockercharme verführte.

Weil er umwerfend ungebändigte Power auch heute hat, verführt er noch immer. Mit stahlblauem Blick, ein wenig zerfurcht, füllt er Säle, wo immer er auftritt. Ein junger Wilder in fortgeschrittenem Alter, eine Persönlichkeit, die quer aller Konventionen denkt. Eine Persönlichkeit, die bei jedem Zick-Zack-Kurs im Leben authentisch und widerständig bleibt, sich niemals falsch beeindrucken lässt.

Der eigenen inneren Stimme ist er bei allen Wechseln im äußeren Leben gefolgt. Er war Jurastudent, Bankräuber, Häftling, Musiker, Drehbuchautor, Regisseur, Schauspieler, Schriftsteller und Produzent. „Die Verrohung des Franz Josef Blum“ stammt aus seiner Feder, in denen er die Erfahrungen seiner Haft beschreibt. Er hat Filme mit Fassbinder, Zadek, Herzog und anderen Größen des deutschen Theaters gedreht und nicht nur als „Bühnen-Bösewicht“ beeindruckt. Sondern auch durch schauspielerisches Talent und sensible Einfühlung in unterschiedliche Rollen und Lebensschicksale.

Warum er sich nun auch als Maler outet, mag man berechtigterweise fragen. Und warum er seine Malerei, obwohl sie gut ist, erst seit wenigen Jahren und das sehr sparsam der Öffentlichkeit zeigt?

Mit der Malerei, so wollte es der Vater, sollte er kompensieren, was im wirklichen Leben allzu überschwänglich verläuft. Er tat es mit kraftvollen, knallbunten Bildern, die man derzeit in der Galerie Goltz an der Huyssenallee bestaunen kann. Kleine und große Formate aus 20 Jahren werden gezeigt, mit Schwerpunktlegung auf die Gegenwart.

Die Schau? Eine Bereicherung für Essen! Es werden beeindruckende Werke von psychischer Direktheit und mitreißender Dynamik gezeigt. Nichts wird beschönigt, nichts ausgespart. Laut, bunt, grell, poppig, plakativ, narrativ. Weltgeschichte, Politik, Gesellschaft, Schönheit, Sex, Sinnlichkeit, Leben und Tod - die Themen werden in bühnenartiger Inszenierung mit knalligen Farben gemalt. Doch bei aller expressiven Direktheit erfährt der Betrachter sensible Einblicke in das Leben des Malers. Die Bewältigung der starken Mutter, der Ehe, der Familie, die Trennung von Bindungen, nach denen sich Driest autobiografisch neu verortet.

Bis 22. Dezember 2012, Galerie Goltz, Huyssenallee 85, Do-Fr 15-19, Sa 12-16 Uhr  

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