Mittwoch, 10. Oktober 2012

Insomnia


Schlaflosigkeit heißt die neue Ausstellung von James Larsen im Kunstraum. Schlaflosigkeit meint hier vielleicht Wachheit, bestimmt aber die gleichzeitige Wahrnehmung weit auseinander liegender Wirklichkeitsebenen und ihrer Neueinbindung im Bild. In wohnzimmerverträglich großen und erstaunlich kleinen,  sammlerfreundlichen Tableaus erfährt der Betrachter fiktive Geschichten mit surrealem Hintergrund.

Ein Eichhörnchen als Linearauszug und formatfüllendes Vordergrundmotiv macht sich in bürgerlichem Schlafzimmer possierlich über Bananen her. Eine Biene im Eilschritt  lächelt aus großen Augen mit aufgestellten Flügeln dem Betrachter zu. Wölfe, geknebelte Teddybären, Tiger, Füchse, gezäumte Pferde, Pin-Ups, Clowns, Bollywood-Stars und 08/15 Bürger –  diese Motive im Film- und beliebten 50er Jahre Design werden in atemberaubenden Collagen gemalt und mit Sprechblasen und assoziativen Headlines bestückt.

Unabhängig von Ort, Zeit und Raum und dabei erstaunlich lebensnah stellt Larsen Verbindungen zwischen unterschiedlichen Kulturen, Stilen und Zeitepochen her. Er verzichtet auf eine einheitliche Raumbildung in den sehnsuchtsvollen Landschaften oder spießig bedrängenden Wohnzimmerinterieurs. Tier und Mensch, Raum und Farbe strahlen Glückserwartungen aus analog zur verheißungsvollen Welt der Cartoons und Fernsehshows.

Innerhalb seines Werks sind die neuen Arbeiten besonders persönlich, besonders prall mit Motiven angefüllt. Sie gehen auf Collagen zurück, die der Künstler seit seinen Anfängen anfertigt und kontinuierlich weiterspinnt. Geschichten von Selbstbetrug,  vordergründigem Glück und trügerischer Erwartung werden erzählt, dazu die Illusion vom häuslichen Heim und natürlich der unzerstörbare Traum vom ewigen Glück allein zu zweit. Die Tiere in diesen Szenen wirken angriffslustig und aufgedreht, während Menschen in durchgedrehter Freude oder trügerischer Trägheit wie im Stillstand verweilen.

Der scheinbaren Naivität von Comics stell Larsen plakative Texte und eine aufwändige bildnerische Technik zur Seite. Acrylschichten werden gemalt, geschmirgelt, neu aufgebaut und erhalten so den stonewashed Used-Look einer Second-Hand-Wirklichkeit.

Bis 10.11. 2010, kunst-raum Schulte-Goltz&Noelte, Rüttenscheider Straße 56, Di-Fr 12-19, Sa 10-16 Uhr

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