Dienstag, 2. Oktober 2012

Just a Moment

Unter diesem Ausstellungstitel finden drei künstlerische Positionen zueinander, die nicht besser zusammenpassen könnten. In unterschiedlichen Medien thematisieren sie Zeit und richten ihren Blick auf die Momente, in denen sie sinnfällig vergeht. Paradox und dabei nichts Neues, mag man meinen, da jedem bewusst sein dürfte, dass Zeit weder fassbar noch fixierbar ist. Hier aber verbinden sich Vergangenes und Fiktives zu Situationen, in denen universelle Bilder entstehen, frei von der Versuchung, Gegenwart oder Wirklichkeit zu simulieren. 
Gan-Erdene Tsend, 1979 in der Mongolei geboren, Meisterschüler von H.-J. Kuhna, lebt seit 2003 in Münster und ist neu im Programm der Galerie.

Steppenlandschaften, weit und leer, deuten Stillstand an. Nichts bewegt sich, allenfalls ein Luftgespinst oder die Fantasie des Betrachters, versunken in die Vorstellung über das, was  geschehen sein könnte und noch passieren mag.

Wie ab- und ausgeschnitten liegen die Landschaften da. Figuren und Tiere spiegeln sich in reglosen Gewässern, die Gegenwelten zeigen und das im Bild Gezeigte ins inhaltlich Unbestimmte überführen. Ungewissheiten über die Stabilität gesellschaftlicher Strukturen tun sich auf. Dazu treten Zweifel über Heimatverlust, Liebe und die Konstanz von Beziehungen sowie theoretische Reflexionen über Fiktion und Wirklichkeit der in Öl gemalten, schwebenden Visionen.

Ebenfalls neu dabei ist Michael Schuster aus Berlin. Ausgangspunkt sind Fotografen von Freunden und dem privaten Umfeld des Künstlers. Spiegeln die noch eine erinnerte Wirklichkeit wieder, so verlieren sie diesen Schein spätestens dann, wenn Schuster sie in ein neues Medium überträgt. Getrocknete Blätter, Eichenblätter mögen es sein, sind jedenfalls ein neues Kunstmaterial für Miniaturskulpturen, die mit Stecknadeln an die Wand gepinnt sind. Bewegungen, Gesten von Freude, Optimismus, Dynamik stehen dem Betrachter zerbrechlich gegenüber, doch so, als würde man sie gern realisieren.      

Kirsten van den Boogaard geht in ihren Fotografien ebenfalls von selbst geschossenen Fotos aus, meist von Reisen, weil das dort Gesehene doppelt fremd erscheint. Menschen in Rückenansicht, angeschnitten oder zentral im Bild werden durch Kleidung und Bewegung charakterisiert. Der Tourist, die Shoperin, der Skate-Boarder treten auf, Personen, die jeder jederzeit beobachten kann. Um sie aus ihrem alltäglichen Kontext zu befreien, malt die Künstlerin ihre Motive mit Acryl auf Dibond auf glattem, schneeweißem Grund. - So fotorealistisch präzise gemalt, als seien sie greifbar und in ihrer Flüchtigkeit noch präsent.

Bis 15.10. 2012, Galerie Klose, Rüttenscheider Str. 221, Mo.-Fr. 10-18.30, Sa. 10.0-15.00 Uhr

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