Freitag, 5. Oktober 2012

Marcela Böhm


Aktuelle Zeichnungen und Ölbilder zum Thema Wasser werden von Marcela Böhm bei Torsten Obrist gezeigt. Neu ist, dass die Künstlerin sich nun auf ein Thema konzentriert, das sie zwar seit Jahren im Programm, aber in dieser Form noch nie zu einem Werk- und Ausstellungssegment zusammengefasst hat.

Gab es schon früher Arbeiten von Kindern in Planschbecken, rücken seit 2010 auch Erwachsene in den Vordergrund, dann das Medium Wasser selbst, welches von Natur aus klar und transparent in der Malerei schwer darstellbar ist. In Form von Spiegelungen und Lichtbrechungen über einem Mosaikuntergrund macht Marcella Böhm es sichtbar und fast fühlbar, erst experimentell, dann systematisch, bis es  schließlich zu einer festen, fast kristallinen Struktur gerinnt.

Seit 2012 ist es ein festes Thema in ihrer Malerei und wird flankiert von einer Fülle von Zeichnungen, Skizzen, Collagen, die unabhängig und als Vorstudien eine überraschende Experimentierfreudigkeit in einem sonst systematisch und streng anmutenden Werk verraten.

Vermutlich sind es beide Aspekte, die die Künstlerin bei ihrer Arbeit bewegen: der Mensch in seinen bizarren sozialen Bezügen und andererseits die Malerei als ein unabhängiges Medium, welches überschwänglich ausdrucksstarke Bilder erlaubt und dabei die kühle Handhabung ihrer ureigenen Mittel verlangt. 

Der Mensch in Marcela Böhms Bildern scheint sich im Medium Wasser, aus dem er kommt und aus dem er zu großem Anteil besteht, offensichtlich nicht sehr wohl zu fühlen. In unbestimmte Weiten schaut er oder holt zu undefinierbaren Gesten aus: er winkt, springt, verharrt, steht staksig und zögerlich. Selbst wenn er entspannt auf dem Rücken im Wasser treibt, zeigen dunkle Flecken Ungewisses oder gar Bedrohliches an. Kinder zanken sich in der Badewanne, Spielzeug treibt isoliert auf offenen Gewässern. Es sind experimentell anmutende, von der Künstlerin psychologisch gestellte Situationen, die den Menschen im Umgang mit einem Medium zeigen, das ihm unbeherrschbar und nicht ganz geheuer erscheint.

Zufallsverfahren, Collagen experimentelle Kreide- und Kugelschreiberzeichnungen auf Japanpapier, Aquarell- und Ölmalerei, die Künstlerin zeigt hier die Vielschichtigkeit ihrer Mittel. Gegenstand, freies Ornament, fließende und feste Strukturen sind die Bausteine, aus denen sich ihre Bilder zusammensetzen und die jedes einzelne unter der figurativen Oberfläche  thematisiert. 

Bis 3.11. 2012, Obrist Galerie, Kahrstraße 59, Mi-Fr 12-18, Sa 10-16 Uhr

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