Freitag, 30. November 2012

Der Designerstammtisch stellt aus


Es qualmt, es lärmt, man trinkt Grolsch! Der Designer-Stammtisch tagt nicht nur im de Prins, sondern stellt nun auch in der Galerie Obrist aus. „Alles muss raus“, verhökert wird „Discountkunst zu Premiumpreisen!“ So lautet programmatisch und ironisch die Parole der Einladungskarte.
Mit dem Projekt Designkunst auszustellen zeigt Torsten Obrist, welch kreative Köpfe in Essen beheimatet sind. 8 ehemalige Folkwangschüler sind es, deren Arbeiten man aus Zeitschrift, Zeitung und Filmen kennt - weit über die Landesgrenzen hinaus. Alle Acht haben in den 90ern bei Prof. Näscher studiert und jede der ausgestellten Arbeiten belegt Witz, Erfindungs- und Formenreichtum der illustrativen Kunst. Und wer immer noch glaubt, dass Kunst, Unterhaltung, Technik und präzise Zeichnung Gegensätze sind, der lasse sich hier eines Besseren belehren. Von ihrem seriellen Kontext befreit, meist einzeln gehängt entfalten die Arbeiten unmissverständlich ihr künstlerisches Potenzial.
Wolf Schily, jawohl er ist in entfernter Linie mit dem Ex-Innenminister Otto verwandt, zeigt Spiegelbilder von Landschaften. Hendrik Dorgathen hat sich als historisch erster auf Comics ohne Sprechblase spezialisiert. Wegweisend sein schlau melancholischer „Space Dog“, mit dem er schon Mitte der 90-er die ersten Preise abräumte. Heute unterrichtet er an der Kunsthochschule Kassel.
Klaus Trommer überlegt ein Portrait von Krupp mit technoiden Zahnrädern. In warme Brauntöne getaucht wirkt der Industriemogul wie ein futuristischer Stadtindianer.
Rainer Stock ist international als Zeichner und Illustrator für Filmsets gefragt. In Filmen wie „Das Parfüm“, „Anonyma“ oder „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ hat er gewirkt. Derzeit ist sein Können im Kultfilm Cloud Atlas zu bewundern. Die Konstruktion traum- und albtraumartiger Kulissen beherrscht er mit lockerer Hand   ebenso die Zeichnung präziser Entwürfe, die  über alle Grenzen fantasievoll sind.
Helge Jepsen, Zeichner des Herrenzimmers, kennt sich aus mit Männerspielzeug, seien es Oldtimer und Schweizer Taschenmesser, Porsches oder teure Feuerzeuge. Seine humorvollen Zeichnungen werden von zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften angefragt. Ebenso wie die Comics von Jamiri, die nicht nur  SpiegelOnline- und Waz-Lesern ein Begriff sein werden. Einen guten Einstieg in ein brillantes Werk bietet die Vita auf seiner Homepage.
„Statt übers Wasser laufen zu üben spielte Jesus lieber Ball“ kommentiert Arndt Möller eine seiner satirischen Zeichnungen, während Frank Georg Lucas computergenerierte Drucke mit Retromustern auf Leinwand präsentiert.
Parallel zum Designerstammtisch zeigt die Galerie Obrist wieder die jährlich stattfindende Aktion "Wundertüte - Die Kunst in Tüten".

Bis 22.12.2012, Galerie Obrist, Kahrstr. 59, Mi-Fr 12-18.00, Sa 10-16 Uhr

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