Mittwoch, 7. November 2012

Gezeichnete Unwahrheiten


Licht und leicht wirken die weißgrundigen Papierarbeiten der Essener Karikaturistin Elga Morgenstern-Hübner. Ihre feinliniegen Blätter in Bleistift und Tusche mit zartbunten Farbeffekten „dort, wo sie notwendig sind“, sind notwendig. Denn sie formulieren nicht nur gesellschaftsrelevante Themen, sondern machen außerdem Spaß und sind zeichnerisch mit sicherem Strich und spitzem Humor zu Papier gebracht. Ihre „Fizzi-Fuzzis“, wie sie ihre Bildideen nennt, wirken wie präzisierte Kritzeleien, die den Umriss eines Blitzgedankens annehmen oder die detailreiche Visualisierung eines Denkprozesses verdeutlichen. Die Motive verästeln und verschlingen sich, gewinnen surreal expresssive und ironisch groteske Züge. Oder sie werden so konkretistisch, als seien sie einer offenherzigen, unverstellten Kinderwelt entsprungen. Die überschäumende Fantasie- und Gedankenwelt der Essener Künstlerin jedenfalls birgt ein reiches Reservoir. Darin aufgehoben sind politische und alltägliche Beobachtungen ebenso wie analytische Spots aus der Beziehungswelt, aus Literatur, Kunst und Kirche. 

Sie greift zum Stift um sich Luft zu verschaffen, ein anderes Mal um analytisch Strukturen und Beschaffen-  heit ihrer Motive zu studieren. Tiere, Fabelwesen, Frauenschicksale, Männer aus Politik mit Problemen und Dominanzallüren tauchen auf. Ihre Abbildungen  werden gespickt mit Denk- Sprechblasen, mit locker gesetzten Schriftzügen und assoziationsträchtigen Wortfetzen.

Kaffeetanten und Kettenraucher, brillenschlangige Topmodels, spitzmundige Mannequins im Stacheldraht-  kleid mit Kulleraugen sind Bilder, die ein absurdes Modediktat verdeutlichen. Kräfteverhältnisse vertauschen sich im nächsten Blatt. Der Hund sitzt im Käfig, der Vogel darauf, die Dickmadame pfeift fröhlich und sieht wie eine Figur aus dem Bilderschatz eines Botero aus.   

Elga Morgenstern-Hübner gehört seit Jahrzehnten zum Essener Kulturleben und hat zahlreiche Projekte in Anbindung zur Stadt Essen auf den Weg gebracht. Sie ist Mitglied des Kulturbeirates der Stadt Essen, dessen Gründung sie vor Jahrzehnten mit initiierte. Hauptberuflich arbeitet sie als Grafikerin und Karikaturistin und hat zusammen mit ihrem Mann zahlreichen Ruhrgebietsgrößen ein Gesicht verliehen. 29

bis 12.11., K29 Ricarda Fox, Kreuzeskirchstr. 29, Sa 12-18 Uhr u.n.V.

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