Dienstag, 27. November 2012

Reflexionen nehmen wir in Kauf!

Der Titel der Ausstellung ist Programm!  
Kurt Ryslavy knüpft in seinem Werk an die Strömungen des Dadaismus, Fluxus und Aktionismus an. Sein Unterfangen, gegen die traditionelle Kunstauffassung zu arbeiten und bestehende Kunstbegriffe in Frage zu stellen, ist eines, was ihm in der Tat gelingt. Die Galerie zeigt ausgewählte Arbeiten aus den letzten 30 Jahren, um diese künstlerische Haltung in ihrer Entwicklung zu dokumentieren. Arbeiten aus den Serien "factures décoratives", "Reminder" sowie Bilder und Papierarbeiten aus den 80er Jahren sind zu sehen, eine Konzeptkunst, die brutal auf den Kopf stellt, was man gemeinhin harmonisch oder ästhetisch leicht konsumierbar nennt.

Um seine schwer konsumierbare Kunst zu finanzieren, wurde der in Belgien lebende Österreicher Weinhändler und versorgt mittlerweile das Land mit kostbaren Tropfen aus seiner Heimatregion. Rechnungen vom 25.10.95 in künstlerischer Handschrift auf Papier belegen das. So war eine Flasche Riesling „Smaragden Singerriedel“ für schlappe 450 Francs zu haben.

Die Reminder, eine extrem gestische Malerei auf kleinem Format auf grober Leinwand enthalten  Namen. Wer genau hinsieht, erkennt das Wort Sonntag. Als „Sonntagsmaler“ bezeichnet Ryslavy sich, weil er an diesem Tag besonders gern malt.

Je weniger man sieht, desto genauer schaut man hin! Das Spiel mit den  Sehgewohnheiten treibt der Konzeptkünstler weiter in seinen „Schuberbildern“, jenen glänzenden Schutzkästen aus Acryl, die ein Bild schützen, weil sie es verbergen. Herausziehen kann man es zentimeterweise oder fast ganz, eine Tätigkeit, die aber nur dem Besitzer obliegt. Während er das Produkt nach Belieben entkleiden kann, ist es dem Besucher der Galerie verboten!

In einem anderen Werk sind kleine, heftige, bunte Pinselschläge in All-Over-Struktur so dicht gesetzt, dass man zurückweicht, um überhaupt etwas zu erkennen. Aus der Nähe sieht man Leinwand mit Zinknägeln auf Keilrahmen fixiert oder hochwertige, aufwändig fabrizierte Silberrahmen.

Die Papierarbeiten, kleine Formate mit viel hingeworfener Farbe erinnern entfernt an Landschaften. Sie tragen Kommentare wie: „Anziehungskraft Gottes“ oder „von dem dingsbums lasse ich mir die Schuhe küssen.“ In diesem Sinne versteht Kurt Ryslavy seine Arbeiten als Palimpsests, als hieroglyphisch angelegte Provokation und konsequente Verweigerung gegenüber dem Kunstbetrieb. Warum sie trotzdem gekauft werden, muss man seine reichen Sammler fragen. Sonst bleibt das Geheimnis hängen am seidenen Faden der Ironie.

Galerie Schütte, bis 29. 12. 2012, Essen-Kettwig Hauptstraße 4, Di - Fr 14:30 - 19:00, Sa 11 - 14 Uhr und nach Vereinbarung

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