Dienstag, 4. Dezember 2012

180 Jahre - Malerei Rolf Behm, Joachim Czichon, Frank Michael Zeidler

Es konnte nicht anders, es musste so sein. Drei Künstler eines Jahrgangs, die einander seit ihren Anfängen und den Galeristen seit bald 30 Jahren kennen! Wenn sich dazu drei Mal der 60-ste Geburtstag jährt, ist klar, dass hier eine Gruppenausstellung stattfinden muss. Gut ist, dass sie stattfindet! Denn man sieht nicht nur Bekanntes von klassischen Künstlern der Gegenwart, sondern man entdeckt, wie gut sie sich ergänzen, wenn sie von Frank Schlag in einer aktuellen Gemeinschaftsschau präsentiert werden. Der Galerist separiert nicht, sondern stellt in jedem Raum Verbindendes und fließende Übergänge zwischen unterschiedlichen Positionen her. Es entsteht ein neues Bild bekannter Künstler, die an z.T. ähnlichen Themen mit unterschiedlichen Lösungen arbeiteten. 

Der Gestus vom Informel, das Dripping von Pollock, dazu die Grundfarben eines Mondrian - heraus kommt eine abstrakt figurative Formenmixtur, die den Vergleich mit den Vorbildern der Klassischen Moderne nicht scheuen muss. Der in Carlsruhe, Polen, geborene Joachim Czichon entwickelt im Umgang mit der Klassischen Moderne eine ästhetische Position, die sich zum positiven, hell und offen wirkenden  Einsatz der bildnerischen Mittel bekennt.

Vor weißem Grund stehen Linien-, Farb- und Form-  geflechte, durchdringen und überlagern sich, ohne ganz ineinander aufzugehen. Jedes der expressiven und zum Teil körperhaft figurativen Elemente hat Raum auf dem meist weißen Grund. Fragmentierte Köpfe und Augen, dazu ein Titel wie „Licht-Blick“ deuten Beziehungen an. Linien und Drippingspuren behaupten ihre Eignständigkeit. Auch die Grundfarben ergänzen, jedoch brechen sich nicht, so dass aus deren Mischung niemals ein Grün oder dumpfes Violett entsteht. Klar und harmonisch bedingt ein Element das andere in frei gewählter Autonomie.

Frank Michael Zeidler wurde schon in den 80er Jahren mit schwarz-weißen Bildern gefeiert und bleibt seiner abstrakt gestischen Malerei, auch wenn sie sich verändert hat. Farbe, angereichert mit Quarzsand steht erdig, schrundig und materialbetont schwer neben lichten, leichten Bildpartien. Natürlich werden Assoziationen an Landschaften wach, ausgelöst auch durch Titel wie „Naher Osten I-VI“.  Es sind neue Arbeiten des in Berlin lebenden Künstlers und wer ihn kennt, weiß, dass er leidenschaftlicher Flieger ist. Eindrücke geografischer Topografien, typische Erd- und Materialformationen, die er aus dem Cockpit in 2000 Metern luftiger Höhe sieht, mögen eingehen in seine Bilder. Eine direkte Abbildung sind sie deswegen natürlich nicht.

Rolf Behm und Czichon kennen sich seit den 70ern, seit ihrer Akademiezeit bei Lüpertz in Karlsruhe. Behm, ein Künstler mit Interesse für Mikrobiologie, lebt  einen Teil des Jahres in Brasilien und es sieht bisweilenso aus, als seien Landesfarben und Zellstrukturen der Natur mit eingebaut. In dünn fließenden Farben, einem klaren Smargadgrün oder weichen Kobaltblau, in Bildern, die er „Chimäre“ oder „kleine Himmeln“ nennt. Narrative Vorgaben, oft spät erst gegeben, bezeichnen auch hier keinen direkten Bildanlass. Fläche und Raum, Auflösung und Aufbau der Farben in Struktur, Tektonik, Verlauf sind auf diesen Bildern sinnlich und haptisch zu sehen.

Bis 29.12.2012, Galerie Frank Schlag, Meisenburgstr. 173, di-fr 14-19, sa 11-16 Uhr u.n.V.   

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